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Beobachtungen:

Ameise und Kuckuck,    eine Parabel zu unserem Weltbild

Dritte Strophe des Abendliedes
       Der Mond ist aufgegangen
von Matthias Claudius (1740 - 1815)

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.



Ein Kuckuck kommt aus Afrika, seinem Winterquartier, zurück nach Deutschland.

Etwas müde rastet er auf einem Zweig und sieht einen Ameisenhaufen unter sich.
Bevor er wieder weiterfliegt, denkt er, daß er den Ameisen eine Geschichte erzählen kann. Vielleicht hören sie zu?

Während er so berichtet, was er in Afrika und auf seinem Weg nach Europa alles gesehen und erlebt hat, beobachtet er, daß einige Ameisen seiner Stimme lauschen. Es werden immer mehr. In dem Ameisenhaufen scheint jetzt Stille eingekehrt zu sein.
Fast alle hören ihm zu.

Doch plötzlich ruft eine der Ameisen so laut, daß alle es hören können:
"Das stimmt überhaupt nicht.
Afrika - oder wie Du es nennst- das gibt es gar nicht. Wir haben sehr erfahrene und weise Ameisen bei uns, die kennen unser Weltbild. Und darin kommt Afrika oder ein großes Meer nicht vor. "
Der Kuckuck ist überrascht und versucht seine Schilderung fortzusetzen.
Es gelingt ihm aber nicht, die Aufmerksamkeit der Ameisen weiter an sich zu ziehen.
Die übliche Geschäftigkeit auf dem Ameisenhaufen setzt wieder ein.

Leicht traurig und erschöpft sitzt er nun auf dem Ast und denkt nach.

Nach einiger Zeit kommt eine Ameise schnell angelaufen und ruft vom höchsten Punkt herunter:
"Ich habe unsere Weisen gefragt. Sie haben mir bestätigt, daß Du gar nicht in Afrika gewesen sein kannst.
Die können es Dir sogar beweisen.

Deine Vogeleltern, die Meisen oder Spatzen, die dich groß gezogen haben, sind den ganzen Winter über hiergeblieben.
Daher ist Deine Geschichte, daß Du ohne Begleitung von erfahrenen Eltern als junger Vogel in ein fremdes Gebiet geflogen sein willst und Dich dabei nicht verflogen hast, einfach falsch oder erlogen.

Unsere Weisen sind sehr erfahren, sie kennen die Welt. Und da gibt es kein Afrika.
Also laß uns damit in Ruhe."
Bei soviel Weisheit, denkt der Kuckuck, " Es ist zwecklos. Sie wissen ja schon alles."
und fliegt davon.

Ein Frosch, der das Gespräch angehörte hatte, dachte:
"Wenn die Ameisen von mir erführen, daß meine Kinder im Wasser leben, würden sie sagen:
'Noch so eine unerhörte Geschichte'. " 
  danach sprang er zur Seite und war verschwunden.


Eine noch junge Ameise hatte alles mit angehört.
"Schade", dachte sie, " diese Weisen nennen sich so, weil sie einen Wissensschatz besitzen.
Vermutlich haben Sie ihn zum großen Teil von anderen übernommen und nicht selber erarbeitet.

Jedoch es gibt einen Unterschied zwischen Wissensschatz und Wissenschaft!

Wenn ich groß bin, werde ich neugierig sein und die Welt hinterfragen.
Die Großen nennen das Wissen schaffen, also Wissenschaft."

(FB)


Die Flugroute der Vögel wurde in 2013 mit GPS-Sendern verfolgt. (Abb. 03)

http://www.lbv.de/unsere-arbeit/vogelschutz/kuckuck/satelliten-telemetrie-kuckuck-wo-bist-du.html#c16889

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Abb. 01: Kuckuck
Hat sein Winterquartier in Afrika  http://de.wikipedia.org/wiki/Kuckuck
(FB)
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Abb. 02: Waldameisen (FB)


kuckuck-lbv-gps-routen-001-a_g.jpg
Abb. 03: Flugroute verschiedener Vögel von Europa nach Afrika mit weiten Strecken über das Mittelmeer. Die Einzelheiten der Routen wurden zeitlich nur mit groben Raster aufgezeichnet. Daher läßt sich die genaue Flugroute z.B. über dem Meer nicht erfassen. Dort wo der Vogel aber nur kleinere Strecken pro Tag fliegt, ist seine mittlere Position besser zu erkennen.

http://www.lbv.de/unsere-arbeit/vogelschutz/kuckuck/satelliten-telemetrie-kuckuck-wo-bist-du.html#c16889



Eine Krähe und ein Storch unterhalten sich über die Geschichte mit dem Kuckuck.

Die Krähe zeigt Unverständnis, doch der Storch klärt sie auf.

"Wir fliegen zwar in einer Gruppe in unser Winterquartier und können uns beim ersten mal den erfahrenen älteren Vögeln anschließen, aber bei der Rückkehr zu unserem Brutplatz machen wir es genauso wie der Kuckuck.
Einfach dahin fliegen und ankommen, siehts Du.
Nächstes Jahr bin ich wieder hier, wetten? "


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Abb. 04: Krähe und Storch auf dem Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim im Oktober 2014. (FB)






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