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Beobachtungen:


Korschelt  1892

/korschelt 1892/  Seite 162 bis 197

Schreibweise der heutigen angepaßt (FB)


Sphinx, 1880. Mai-Heft S. 257—204 und Juni- Heft S. 373—370.



Od und Elektricität.
Eine Parallele mit Ausblicken auf die übersinnliche
Psychologie.

Von einem Ungenannten.10)

10 Der nachstehende, höchst bedeutsame Aufsatz, dessen Lesung wir besonders empfehlen, rührt von einem sehr bekannten deutschen Physiker her. Es erscheint uns bei den Vorurtheilen, denen dennoch der übersinnliche Phänomenalismus in den Kreisen der „exakten" Wissenschaft begegnet, durchaus gerechtfertigt, dass der Verfasser es vorzieht, seine hier vorgetragenen, geistreichen Schlussfolgerungen durch ihre eigene Kraft und ihren sachlichen Werth, nicht nur durch den Namen ihres Urhebers wirken zu lassen. Der Herausgeber (der Sphinx).

Die Methode, welche nach meiner Auffassung allein zu einer Erklärung, das ist Verständlichmachung „okkulter" Erscheinungen führen kann, ist die naturwissenschaftliche. Wer nun mit mir auf diesem Boden steht, wird mir allerdings mit Recht vorwerfen können, dass meine folgenden Ausführungen fast nur Möglichkeiten, zwar wissenschaftlich begründete, aber doch unbewiesene Möglichkeiten bieten.

Dieser Vorwurf drückt auch mich; dennoch hielt ich es für gut, diese kleine Arbeit abzufassen, deren Hauptzweck es ist, zu zeigen, wie physikalisch festgestellte Forschungen der allerjüngsten Zeit eine gewisse Annäherung an diejenigen Phänomene gebracht haben, welche Reichenbach als odische Phänomene in dickleibigen Büchern ausführlich beschrieben hat, und welche heute noch von der gesammten offiziellen Naturwissenschaft als phantastischer Unsinn, Hirngespinnste und Schwindel charakterisirt werden.

Der wesentliche Unterschied zwischen den Ansichten der bisherigen Physik und denen Reichenbachs lässt sich folgendermassen ausdrücken. Nach der Physik ist im allgemeinen jeder Körper, z.B. ein Stück Blei oder eine Flasche Schwefelsäure, inaktiv, d.h. er besitzt keine besonderen spezifischen, von ihm aussehenden fernwirkenden Kräfte. Nur das magnetische Eisen besitzt solche Kräfte im natürlichen Zustande, nämlich magnetische Kräfte; allen andern Stoffen kann man bloss durch gewisse Mittel, nämlich durch Elektrisiren Kräfte, (fernwirkende Kräfte), zu ertheilen. Im natürlichen Zustand besitzen sie dieselben nicht.

Die einzige Kraft, welche allen Körpern gemeinsam ist. ist die Schwere; jedoch ist diese keine specifische, von der Natur der Körper abhängige, sondern eine allgemeine, nur von der Masse derselben bedingte Kraft. Ein Kilo Blei und ein Kilo Schwefelsäure verhalten sich der Schwere gegenüber ganz gleich. Während also die Körper alle keine specifischen Kraftwirkungen auf messbare Entfernungen äussern, besitzen sie solche Kräfte immerhin, wie sich in ihren chemischen Affinitäten zeigt. Doch äussern sich diese Kräfte eben nur bei wirklicher Berührung oder in molekularen Entfernungen.

Dem gegenüber behauptet Reichenbach auf Grund seiner 13000 odischen Versuche, dass von jedem Körper im natürlichen Zustande eine gewisse Fernwirkung ausgehe, nämlich eine gewisse Kraftausströmung, das Od, welches von sensitiven Personen gefühlt und in absoluter Dunkelheit gesehen werden könne.

Diese Kraftwirkung sei eine polare, insofern die Körper odisch positive und odisch negative Ausströmungen ergehen können, sie sei aber im speciellen noch mehr als polar differenzirt, insofern die odischen Leuchten in allen Regenbogenfarben erscheinen können, je nach der Natur der Körper, insofern sowohl die Helligkeit des Leuchtens als die Stärke der verursachten Empfindung von Stoff zu Stoff variiren.

Solche Odausströmungen nun besitzen nicht bloss Magnete und elektrisirte Körper — bei welchen Fernwirkungen ja bekannt sind —, sondern es besitzen sie in sehr hervorragendem Maasse auch Krystalle, alle erwärmten und insulirten Körper, alle Theile des menschlichen Körpers, aber schliesslich auch alle irdischen Stoffe, seien sie organischer oder unorganischer Natur.
Reichenbach beschliesst die Aufzählung seiner diesbezüglichen Experimente mit den Worten:11)
11 Dr. Karl Freiherr von Reichenbach: „Der sensitive Mensch und sein Verhalten zum Ode." (Cotta) Stuttgart 1854—55, Bd. II, S. 191
„Man sieht, dass alle Körper auf dem ganzen Erdballe einfache oder zusammengesetzte, amorphe, wie krystallisirte, sowie sie odische Gefühle erregen, so auch Odlicht ausstrahlend auf unseren Gefühlssinn wirken.“
Indem ich weitere Eigenschaften des Ods vorläufig übergebe, möchte ich nun die neuen Entdeckungen in der Physik kurz anfühlen, welche geeignet sind, den früheren Standpunkt als unrichtig erkennen zu lassen und eine Annäherung an den Reichenbach'-schen zu bieten.

Die Fortpflanzung des Lichtes durch den Raum, welche bekanntlich mit einer Geschwindigkeit von 300000 Km. geschieht, hat der Physik schon lange die Annahme aufgezwungen, dass im ganzen Weltraume ein äusserst feiner, elastischer Stoff, der Aether, verbreitet sei, welcher der Träger derjenigen Wellenbewegung sei, als welche das Licht sich experimentell charakterisiren lässt.

Weitere Eigenschaften, als diejenige, eben das Licht und auch die unsichtbaren, aber thermometrisch erkennbaren, dunklen Wärmestrahlen fortzupflanzen, wurden dem Aether bisher nicht zugeschrieben, weil keine experimentelle Nöthigung dazu vorlag.

Die leuchtenden Strahlen, welche sich im Spektrum zeigen, und die benachbarten ultrarothen und ultravioletten Strahlen besassen Schwingungsdauern, die nach billionstel Theilen von Sekunden zählten und besassen Wellenlängen, welche variirten von 0,3 tausendstel bis 3 tausendstel Millimetern, wie man durch scharfe Messungen bestimmen konnte.

Danach sah es aus, als ob der Aether wesentlich im Stande wäre, Wellen von ausserordentlich kurzer Wellenlänge fortzupflanzen und getreu dem Grundsatz, nicht mehr von der Natur auszusagen, als was bewiesen werden kann, sprach man nicht von und dachte kaum an die Möglichkeit, dass der Aether noch viel weitergebende Eigenschaften haben könne; schon die Behauptung, dass der Aether existire, bedrückte den Naturforscher von der strengen Observanz, da diese Existenz nicht direct bewiesen werden kann.

Dies Verhältniss hat sich jetzt geändert, und zwar wesentlich durch die Versuche des Prof. Hertz in Bonn. Dieser beschäftigte sich mit der Untersuchung elektrodynamischer Kräfte und kam dabei zu äusserst wichtigen Resultaten. Bekanntlich übt ein elektrischer Strom, der in einem Draht fliesst, Kräfte aus, die in seiner Umgebung erkennbar werden. Nämlich auf einen benachbarten elektrischen Strom übt er Anziehungs- und Abstossungskräfte aus und in einem benachbarten Draht, der noch nicht von einem Strom durchflössen ist, bringt er im Moment des Entstehens und Vergehens einen Strom hervor, den Induktionsstrom; diese Kräfte eines Stromes, welche also entweder die Elektricität eines Leiters in Bewegung setzen, oder den Leiter selbst angreifen, nennt man elektrodynamische Kräfte und betrachtete sie bisher, weil man nichts anderes wusste, als Fernkräfte, ebenso wie die Schwere.

Man nahm also an, dass von einem Strom aus momentan in allen Entfernungen sofort eine elektrodynamische Kraft wirke, und dass sie keiner Vermittelung durch ein etwaiges Zwischenmedium bedürfe. Diese Anschauung konnte desswegen Platz greifen, weil man eben nirgends den Einfluss der Zeit bei der Untersuchung elektrodynamischer Kräfte erkennen konnte. Das konnte nun einerseits daher rühren, dass eben die Kräfte momentan wirken, also wirkliche Fernkräfte seien, oder andererseits daher, dass bei den verhältnissmässig geringen Entfernungen, mit denen wir operiren können, die Ausbreitung der Kraft in unerkennbar geringer Zeit vor sich geht.

Wurde doch auch die endliche Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes erst dadurch erkannt, dass man durch astronomische Methoden kolossale Entfernungen vom Licht durchlaufen und so in die Beobachtung ziehen konnte.

Wenn es aber nur die geringe Entfernung respektive die Kürze der Zeit ist, welche uns die Fortpflanzung der elektrodynamischen Kräfte verdeckt, so gab es ein Mittel, dem abzuhelfen.

Man braucht nämlich nur in sehr kurzer Zeit zwangsweise fortwährende Umkehrungen der elektrodynamischen Kräfte, (der Richtung nach), hervor zurufen, um dann auf nicht zu grosse Strecken hin im Raume Umkehrungen der Wirkungen zu erhalten. Gelang das, so war die Fortpflanzungsgeschwindigkeit elektrodynamischer Kräfte bewiesen und eventuell die Geschwindigkeit selbst messbar.

Dies war die Methode des Herrn Hertz. Er erzeugte einen elektrischen Funken zwischen zwei Drahtenden. In einem solchen Funken bewegt sich, wie man weiss, die Elektrizität äusserst rasch hin und her. In etwa dem millionsten Theil einer Sekunde tritt immer eine neue Umkehrung ein.

Liegt die Funkenstrecke vertikal, so sind also in den aufeinanderfolgenden Millionsteln von Sekunden die elektrodynamischen Kräfte einmal nach oben, das andere Mal nach unten gerichtet, und wenn sich diese Wirkung etwa mit einer Geschwindigkeit von 1 Million Meter in der Sekunde durch den Raum fortpflanzt, so würde in Abständen von je 1 Meter die elektrodynamische Wirkung ihre Richtung ändern.

In Drähten, die 1, 2, 3 Meter entfernt wären, würden Ströme entstehen, die in 1 und 3 nach derselben Richtung, in 2 und 4 nach entgegengesetzter Richtung gehen. Dies war das Princip. Die Ausführung entsprach den Erwartungen. Es zeigte sich thatsächlich eine wellenförmige Ausbreitung der elektrodynamischen  Wirkungen, und es liess sich mit grosser Schärfe sogar die Geschwindigkeit der Ausbreitung messen. Sie ergab sich zu 300000 Kilometern in der Sekunde, also gleich der Lichtgeschwindigkeit.

Das ist das erste Mal, dass die Ausbreitung einer Kraft, (triebfähigen Kraft), im Räume experimentell bewiesen ist. Es zeigte sich nun weiter, dass diese elektrodynamischen Wellen ausserordentlich grosse Wellenlängen haben, Wellenlängen von mehreren Centimetern bis zu mehreren Metern; was im Vergleich zu den Lichtwellen, die sieh in den Tausendsteln von Millimetern bewegen, sehr gross und unerwartet ist. Diese elektrodynamischen Wellen gehen ungestört durch Mauern und Wände hindurch, überhaupt, durch alle nicht metallischen Körper.
Man kann in geschlossenen Zimmern Funken erzeugen, die durch elektrodynamische Wellen hervorgebracht, werden. Diese Wellen lassen sich ferner durch Spiegel reflektieren, durch Prismen brechen, wie die Lichtwellen. Nur müssen natürlich im Verhältnis der Wellenlängen die Dimensionen der Prismen auch erheblich grösser sein, als bei optischen Versuchen. Der Versuch, durch Linsen die Wellen zu koncentrieren, ist zwar noch nicht gemacht wegen der grossen Kosten des Experiments, ist aber ganz unzweifelhaft möglich und ausführbar.

Kurz! Wir haben hier zum erstenmal die wellenförmige Ausbreitung einer Kraft im Räume, eine Ausbreitung, welche in dem Medium des Aethers geschieht, da die Geschwindigkeit, desselben übereinstimmt, mit der Lichtgeschwindigkeit. Aus diesen neuen Thatsachen ergiebt sich aber eine Reihe von zwingenden Folgerungen, von denen ich einige anführen möchte, da sie direkt mit den Reichenbach'-schen Behauptungen übereinstimmen.

In einem glühenden Körper befinden sich die Moleküle nach allgemeiner und begründeter Vorstellung in sehr lebhafter, rascher hin- und hergehender Bewegung.

Durch diese periodische Bewegung wird der Aether, der sich auch in den Zwischenräumen der Moleküle befindet, in Wellenbewegung versetzt von derselben Periode wie die der Molekularbewegung, und das Resultat dieser Bewegung sehen wir als Licht, der Körper ist selbstleuchtend.

Haben wir denselben Körper, aber nicht auf so hoher Temperatur, dass er glühend wird, sondern nur sonst stark erhitzt, so sind seine Moleküle in Bewegungen von längerer Periode, langsameren Schwingungen begriffen, und das Resultat dieser Bewegung sind Schwingungen im Aether von grösserer Wellenlänge, welche wir als Wärmestrahlen empfinden, so lange die Temperatur der Körper eine hohe ist, einige hundert Grad.

Solange man nicht wusste, dass der Aether auch im Stande ist, Wellen von viel längerer Periode fortzupflanzen, konnte man nicht weiter schliessen. Jetzt aber können und müssen wir sagen: bei jeder Temperatur befinden sich die Moleküle eines Körpers in Schwingungen, deren Perioden um so länger sind, je tiefer die Temperatur der Körper ist.

Durch jede solche Bewegung muss der Aether angeregt, in Schwingungen versetzt werden. Es muss also dauernd von jedem Körper eine wellenförmige Bewegung des Aethers ausgehen, welche im Stande ist, Wirkungen gewisser Art hervorzubringen, optische, thermische, elektrodynamische oder andere, die wir nicht kennen.

Von jedem Körper geht eine Kraftströmung aus, kein Körper ist inaktiv, wie die Physik bisher annahm, sondern jeder hat eine specifische Fernwirkung, specifisch deswegen, weil die Schwingungsdauer eines jeden Moleküls und daher auch die der ausgehenden Wellenbewegung nicht nur von der Temperatur, sondern auch von der Natur des Moleküls abhängt. Damit sind wir aber von anderer Seite her genau auf dem Standpunkt Reichenbach's angelangt.

Angenommen, es gäbe ein Auge, dessen Retina nicht bloss für die kurzen Lichtwellen empfänglich wäre, sondern welches auch Längen von grösserer Länge sehe, — ein Auge, wie es den Sensitiven nach Reichenbach zugesprochen werden müsste, so würde dies die Erscheinungen beobachten müssen, welche Reichenbach beschreibt. Es würde von allen Körpern leuchtende Wogen ausgehen sehen, das Odlicht, verschieden an Färbung, je nach der Wellenlänge, verschieden an Ausdehnung, je nach der Intensität der Molekularbewegung. Ja, wenn das Auge nur empfindlich genug ist, muss es das Innere gewisser Körper leuchtend sehen, nämlich dann, wenn diese Körper regelmässig gebaut sind, so dass die Aetherschwingungen im wesentlichen alle nach derselben Richtung polarisirt sind. Gerade diese Erscheinung beschreibt aber Reichenbach12):
12 A.a.? II S.- 220-222

§ 2106. Frau Bauer beschrieb in der Dunkelkammer einen fast armdicken, ganz schwarzen mährischen Schörl13), der bis an den feinsten Rändern vollkommen undurchsichtig war, als ein goldgelbes durchsichtiges Glas. Sie wiederholte diese Angabe, als sie einen anderen Saarer Schörl — nachdem ich ihr vorher mehrere Bergkrystalle und Quarze gegeben hatte — zur Betrachtung erhielt, mit den Worten: "Von dieser Sorte habe sie schon gehabt, es sei das gelbe Glas."
13 Schwarzer Turmalin

Nachdem sie mehrere Bergkrystalle nach einander für blau erklärt hatte, sagte sie, als ich ihr einen Rauchtopas gab: „von dieser Materie habe sie schon mehrere gehabt, es sei das blaue Glas." — Auch Frl. Sophie Pauer und zwei andere Sensitive sahen denselben gemeinen, undurchsichtigen, schwarzen Staugenschörl wie goldgelbes, fast orangefarbiges, undurchsichtiges Glas vor sich.

Frl. Hermine Fenzl sah den Schörl etwas trüber, aber ebenfalls gelb; Frl. Toppe erschien derselbe so sehr leuchtend, dass er ihr einen gelben Schein auf den Daumen warf, mit welchem sie ihn hielt. — Aber ebenso gelb wurden von drei Sensitiven die durchsichtigen grünen und blauen edeln Turmaline gefunden.

§ 2107. Somit war es ausser Zweifel, dass schwarze gemeine Schörle, Rauchtopase und dergleichen unreine Krystallisationen, die für das gewöhnliche Auge am Tage undurchsichtig sind, für das sensitive Auge im Finstern klar und durchsichtig worden können.

§ 2108. Klare Bergkrystalle erschienen allen Sensitiven durchsichtig; der Tischler Kleiber sah eine aus vielen Glimmerblättern bestehende Platte so klar, dass er hinter derselben seine leuchtenden Finger gewahrte. Frl. Poppe erschienen kleine Gypskrystalle schon leuchtend und durchsichtig wie Glas. Andere fanden die Gipsspate wie Glas durchsichtig.

Alle Sensitiven schilderten ein Stück isländischen Doppelspat als so vollkommen wasserklar, dass seine leuchtenden Kanten und Ecken von vorne her unmittelbar und von hinten durch den leuchtenden durchsichtigen Stein hindurch gesehen wurden.

§ 2100. Als ich Herrn Dr. Machold einen grossen Bergkrystall in der Dunkelkammer vorlegte, sagte er nach Schilderung der äusseren Lichterscheinungen, „im Innern des Krystalles brenne es"; er gewahrte im Innern des Körpers leuchtende fortdauernde Bewegungen, die er mit denen einer brennenden Lichtumwälzung verglich, wie wir sie beiläufig bei Feuern vor uns sehen. Schon Jahre vorher hatte ich ganz Gleiches von Frl. Reichel gehört, welche grosse Bergkrystalle betrachtend schilderte, dass sie unzählige kleine Lichtquellen, die in steter Bewegung und Wechselwirkung unter einander stehen, in Regenbogenfarben in dem Krystallkörper hin und her wogen sehe. Ausser zwei weiteren Personen schilderte noch
Fräulein Zinkel diese glänzenden Vorgänge bei Vorzeigung von Beryll, Bergkrystall. Gypsspat, Alaun usw., fand alle diese Krystalle durchleuchtend und im Innern mit beweglichen Lichtgestalten versehen, die sich unregelmässig durcheinander mengten."


Dass diese Auffassung des Odlichtes als eine Wellenbewegung im Aether, welche durch die schwingenden Moleküle angeregt wird, berechtigt ist, geht recht schlagend aus folgenden Beobachtungen von Reichenbach hervor, die er selbst nicht ordentlich zu deuten wusste, welche aber nach meiner Ansicht die Natur der Wellenbewegung ganz zweifellos machen14):
14 Reichenbach, a. a. 0. II. S. 479, 480, 383.

 § 2590. Höchst räthselhafte Anomalien traten mir, wie folgt, entgegen. Ich hatte einen grossen Bergkrystall, mit dem negativen Pole gegen Nord gerichtet, auf einen Tischrand gelegt. Frl. Geraldini ging aus der durch die Zimmerlänge gegebenen Entfernung von Norden her in der Richtung auf denselben. Sie fand zuerst ihre Linke kühl, ihre Rechte laulich angegangen; also sich von dem negativen Pole gesetzmässig affizirt. Die Empfindung blieb sich, unter Zunahme der Deutlichkeit — gleich, bis sie dem Steine bis auf zwei und einen halben Schritt sich genähert hatte.

In diesem Augenblick fand ein Umschlagen der Empfindungen statt; es wurde ihre Linke lau und ihre Rechte kühl angegangen. Als sie aber kaum zu dem Steine noch einen halben Schritt näher herangetreten war, schlug die Empfindung noch einmal um und kehrte zurück zu der anfänglichen, wo die Linke Kühle und die Rechte Laue empfunden hatte. So blieb es denn auch, bis sie ganz nahe zu dem Krystallpole herangekommen war.

§ 2591. Mit einer Schwester des Frl. Geraldini machte ich denselben Versuch mit dem gleichen Erfolge. — Frl. Zinkel, nahe vor die negative Spitze eines grossen Bergkrystalls geführt, fühlte an der Linken von windiger Kühle sich angeweht; wenn sie die Hand zurückzog, so blieb dies ziemlich gleichförmig, bis sie dieselbe zwei Schritte davon entfernt hatte; hier gerieth sie auf einmal in eine lauliche, schwaches Gruseln erzeugende Stelle.

Durchlief sie denselben Raum mit der rechten Hand, so empfand sie zuerst umgekehrt zuerst lau, bei zwei Schritten Rückzug vom Pole aber kühl; darüber hinaus trat wieder Lauwidrigkeit ein.

Ein andermal stellte ich mit Frl. Joseph. Geraldini mittels zweier übereinander liegender Bergkrystalle diesen Versuch an; er lieferte dasselbe Ergebnis. Wenn ich die Frls. Geraldini wie Beyer die Schritte rückwärts machen liess, so lieferte dies dieselben Ergebnisse; jedesmal fand sich auf den Abstand von zwei bis drei Schritten ein Umschlagen der Temperaturgefühle ein. das sich jedoch nicht über diese Entfernung hinaus erstreckte, sondern auf den Raum von einem halben bis einen Schritt beschränkt war und dann dem früheren Gefühle wieder Platz machte.

§ 2594. Zu Magnetpolen übergehend, legte ich zwei fünf Fuss lange Stabmagnete wagerecht mit den gleichnamigen Polen nebeneinander und richtete die negativen gegen Frl. Geraldini, ein andermal gegen Frl. Beyer. Auf Abstand von zwanzig Schritten fühlte letztere sich auf ihrer linken Seite und an ihrer linken Hand kühl und auf ihrer rechten lau angegangen. Wenn sie sich nun langsam den Polen näherte, so blieb dies so, bis sie an den Abstand von drei Schritten herangekommen; jetzt sprangen die Empfindungen um, die Linke empfand Laue, die Rechte Kühle. — Dies hielt Bestand auf den Raum von einem Schritte. Sobald sie aber den zweiten Schritt zu machen begann, so sprang die Empfindung zum zweiten male um, indem sich die ursprüngliche wieder herstellte, links kühl und rechts lau, und so hielt es auch an, bis sie an die Magnetpole bis zur Berührung herankam. Ich kehrte die Magnetstäbe um und richtete die positiven Südpole gegen die Sensitive; jetzt ergab sich alles wieder ebenso auf ihren beiden Seiten, nur mit umgekehrten Empfindungen.

Bei der letztgenannten empfindlichen Sensitiven sprach sich das Ergebnis noch auf eine andere sehr deutliche und unzweideutige Weise aus: wenn sie nämlich auf zwei und einen halben Schritt Abstand vor dem Südpole der Magnetstäbe auf mein Geheiss verweilt hatte, so wirkte die Odische Polarität so stark auf sie, dass die von dem ungleichnamigen Pole angegangene Hand trocken und kalt anzufühlen war, während die andere nicht nur warm, sondern triefend von Schweiss wurde, den ich ihr selbst abwischte.

§ 2598. Um die Frage zu beantworten, ob ein  amorpher Körper zonale Erscheinungen hervorzubringen imstande wäre, stellte ich dem Frl. Zinkel gegenüber ein Stück Schwefel auf, ungefähr von der Grösse eines Quartbandes, die grösste Fläche ihr zugekehrt. Auf zehn Schritt Entfernung empfand sie seine Wirkung links kühl, rechts läulich, wie es von einem so hochnegativen Körper zu erwarten war; bei grösserer Annäherung bewirkt er auf ihrer rechten Seite selbst Gruseln, links nicht. Aber bei allmählicher Annäherung bis auf zwei Schritte trat in der That auch hier der Umschlag der Gefühle ein; auf der Linken sprangen sie in Lau mit Gruseln um, und rechts stellte sich Kühle ein. Dies dauerte nur über die Breite von einem schwachen Schritte, dem dann das Zurückspringen in die ersten Gefühle wieder folgte.

Frl. Beyer versicherte, dass sie ähnliche Empfindungen habe, wenn sie sieh nur der Mauerwand eines gewöhnlichen Wohnzimmers nähere."


Vergleichen wir mit den letzten Äusserungen des Frl. Beyer folgende des Herrn Hertz, welche die Einleitung zu seinen Versuchen über Reflexion elektrodynamischer Wellen bildet:

„Besonders aber trat mir mit Beständigkeit folgende Erscheinung entgegen: Prüfte ich die Funken im sekundären Leiter in sehr grossen Entfernungen von dem primären Leiter, woselbst die Funken schon äusserst schwach waren, so bemerkte ich, dass die Funken wieder sehr deutlich zunahmen, wenn ich mich einer festen Wand näherte, um dann in unmittelbarer Nähe derselben fast, plötzlich zu verschwinden."

Was hier der primäre Leiter ist, sind bei Reichenbach's Versuchen die schwingenden Moleküle der Körper, der sekundäre Leiter hier ist das Auge oder die Hand der Sensitiven. Noch schlagender ist die Aehnlichkeit bei folgendem Versuch von Hertz.

Er stellte den primären Leiter in 11 Meter Entfernung von einer Wand auf. Näherte er sich mit dem sekundären Leiter, (der sensitiven Hand), der Wand bis auf 8 Meter, so war die Wirkung am stärksten auf der Seite, welche der Wand abgewendet war.

Ging er weiter bis auf 5,5 Meter, so hat sich ein Wechsel vollzogen, die Wirkung ist auf der anderen Seite grösser; bei 3 Meter ist ein neuer Wechsel eingetreten, bei 0,8 Meter Entfernung eine abermalige Umkehrung. — Dies sind genau die „Zonen" Reichenbachs.


Eine weitere Analogie ist folgende:
Die elektrodynamischen Strahlen gehen durch alle nichtleitenden Körper hindurch, durch Holz, Mauerwerk, Glas. Pech usw. Man kann sie durch Thüren in geschlossene Zimmer hineinsenden und darin beobachten.

Herr Hertz sagt darüber: „Isolatoren halten den Strahl nicht auf: durch eine Wand oder eine hölzerne Thür geht er hindurch; man sieht nicht ohne Verwunderung im Innern geschlossener Zimmer die Funken auftreten." Nun vergleiche man damit, was Reichenbach vom Od sagt15)
15 A.a.O. I, S. 14.

§ 29. Die Frl. Zinkel stellte sich hinter die geschlossene Stubenthür eines an das meinige angrenzenden Zimmers; ich näherte mich ihr nun langsam.
Sie fühlte meine Annäherung ganz gut, doch schwächer und später, als bei den in dem für beide gleichen Raume ohne Hinderniss stattfindenden Versuchen, und zwar erst, als ich nur noch drei Schritte von ihr entfernt war. Die Emanation war also durch die Bretterthür durchgedrungen, jedoch nicht ohne einiges Hinderniss durch sie zu erfahren. Dieser Versuch wurde öfters wiederholt. Ich stellte sie nun ebenso hinter eine Zimmermauer und schritt auf sie zu; jetzt empfand sie mich nach wiederholten Versuchen gar nicht mehr.

§ 30. Herrn Gustav Anschütz stellte ich hinter eine 1½ Fuss dicke Mauerwand, die zwei Zimmer schied; er stand unmittelbar hinter ihr. Gegen die Stelle, wo er sich befand, ging ich nun im andern Zimmer, bewegte ich mich abwechselungsweise hin und hinweg. Ging ich hinwärts, so empfand er immer Laue; ging ich wegwärts, so fühlte er diese abnehmen und in Kühle übergehen. Dies war immer gleich, wie oft ich auch den Versuch wiederholen mochte, und bei welchem er nie wissen konnte, ob ich vor- oder rückwärts ging, da er mich nicht sah. Auch hier traten die Gefühle etwas später und in geringerer Stärke ein.

Bei demselben Versuch empfand die höher sensitive Frl. Beyer meine Annäherung gut und gab die Stelle jenseits der Mauer genau an, wo sie mich am stärksten empfunden hatte; diese Stelle entsprach bei der Prüfung genau derjenigen, gegen welche ich auf der anderen Seite zugeschritten war.

Die Frl. Atzmannsdorfer schlief, solange sie sich in meinem Hause aufhielt, mit der Bettstätte an eine Mauerwand angelehnt. Auf der anderen Seite der Wand befand sich ein zweites Gastzimmer, in welchem  bisweilen jemand einen oder einige Tage wohnte. Die Stellung der Bettstätte in diesem Zimmer korrespondirte der von Frl. Atzmannsdorfer's Bettstätte in der Weise, dass beide Bettstätten neben derselben Mauer sich befanden und, hätte man die Mauer hinweggenommen. unter einem rechten Winkel neben einander befindlich gewesen wären, der Kopf des Gastes zu den Füssen des sensitiven Mädchens.

Wenn nun jemand in dem zweiten Gastzimmer schlief, so konnte Frl. Atzmannsdorfer die ganze Nacht keine Ruhe gewinnen und keinen Schlaf finden. Sie empfand die Einwirkung der nahe benachbarten Person durch die Mauer hindurch so stark, dass sie ihr jedesmal den Schlaf raubte.

In einem dieser Fälle schlief noch ein Dritter in einem dritten der angrenzenden Zimmer, auch mit seinem Kopfe zunächst gegen die Füsse des Mädchens gelagert, und dieser Dritte war gerade der rechte Mann, es war nämlich Herr Professor Purkinje von Breslau, jetzt in Prag. Er war Zeuge eines solchen Ergebnisses. Die Ausströmung von Menschen dringt, also durch Bretterthüren und Mauerwände, wenn auch schwächer und langsamer als durch Luft, doch entschieden hindurch, und wirkt dort, auf die Sensitiven in ähnlicher Weise wie ohne jene Zwischenkörper.

Die elektrodynamischen Strahlen werden vom Metall reflektirt und zwar brauchen die Metalle durchaus nicht spiegelnd geschliffen zu sein. Herr Hertz schickte einen solchen (unsichtbaren) Strahl von einem Zimmer aus durch eine Thüröffnung in ein benachbartes und liess ihn dort unter 45 Grad auf eine Zinkplatte treffen. Der Strahl wurde reflektirt, traf auf den sekundären Kreis, welcher senkrecht zum primären gestellt war und erzeugte dort einen lebhaften Funkenstrom, der auch durch dass Schliessen der Thüre nicht unterbrochen wurde. Ganz dasselbe hatte Reichenbach gefunden. 16)
 16 A.a.? . II, S. 173.

,,§ 2575. Nachdem ich früher nur mit spiegelglatten Flächen experimentirt hatte, nahm ich eine Eisenplatte von 6 Quadratfuss Fläche, die zwar glatt, und eben, aber nicht, glänzend und nicht, metallisch blank war und stellte sie vertikal auf einen Stuhl unter eine Thür. Jenseits der Zimmerwand befand sich Frl. Reichel, diesseits derselben ich. Ich stellte nun eine Kupferplatte ebenfalls vertikal auf und zwar ihre Fläche unter 45 Graden gegen die Eisenplatte gerichtet, so also, dass das Kupfer seine Schneide dem Eisen zukehrte. Alsbald empfand die Sensitive jenseits der Mauer die eigentümlich laue Wirkung von Kupferod auf sich zuströmen Es hatte also die Kupferplatte von ihren Rändern aus Odstrahlen gegen die Eisenplatte gesendet, und diese hatte sie unter demselben Winkel unter dem sie sie einfallend empfing, ausfallend gegen die Sensitive reflektirt.

Der Kupferplatte substituirte ich Zinkplatten, Bleiplatten, Zinnfolie, Goldblatt — alle strahlten Od von ihren Kanten gegen das Eisenblech und dieses reflektirte sie oder einen Theil von ihnen gegen die Sensitive. Als ich zur Kontrolle eine Schwefelplatte nahm, was die Frl. Reichel nicht sehen konnte, weil sie sich hinter der Wand befand, so reflektirte diese lebhaft und windig kalt auf sie. Dann ging ich zu grossen Bergkrystallen über. Bot ich auf 4 Schritte Abstand die negative Spitze der Eisenplatte zu, so empfand Frl. Reichel vorwaltend Kühle auf sich zugehen; richtete ich den positiven Krystallpol nach jener, so meldete die Sensitive vorwaltendes Wärmegefühl.

Ein Stabmagnet auf die Eisenplatte gerichtet, brachte die jedem Pole entsprechende Radiation hervor. Als ich aber einen starken Hufmagnet, also beide Pole zugleich, auf die Eisenplatte richtete, meldete Frl. Reichel das Eintreten von Wärmegefühl und Kältegefühl zugleich, also eine den früheren Mittheilungen über gemengte Pole ganz gleiche Erscheinung. Meine Hände hierauf in Anwendung gebracht, indem ich bald die Linke, bald die Rechte gegen die Eisenplatte ausstreckte gaben alle der Frl. Reichel entsprechende Gefühle.

So ging es denn auch, als ich Elektrizität in Anspruch nahm. Ich stellte Zinkplatten, Kupferplatten vertikal auf einen Isolator, die Kanten unter 45 Graden gegen die stehende Eisenplatte gerichtet, und liess von dieser Vorrichtung die Frl. Reichel zuerst Gewöhnung nehmen. Sie fühlte links Laue auf sich zu strahlen. Nun elektrisirte ich nacheinander die Zink- und die Kupferplatte elektropositiv. Unverzüglich fühlte die hinter der Wand stehende Sensitive die Laue in Kühle umschlagen. Ich wechselte die Elektrizität und lud die Platten negativ; nun meldete die Sensitive, die von allen meinen Vorkehrungen nicht, das Allergeringste zu verstehen vermochte, selbst wenn sie sie gesehen hätte, den Eintritt des Gefühlswechsels auf lauwidrig, beides Reaktionen, von denen ich eben gezeigt habe, dass sie nach den Gesetzen der elektrischen Verteilung und Influenz den entsprechenden Polaritäten überall zukommen.

Noch stellte ich vier brennende Stearinkerzen auf gleiche Weise gegen die Eisenplatte auf; Frl. Reichel empfand kalte Radiation von ihr; sowie ich sie ausblies, verschwand die Kälte, ehe eine halbe Minute verfloss."


Es dürfte an diesen Analogien genug sein. Dieselben sagen meiner Ansicht nach folgendes aus: Falls überhaupt den odischen Vorsuchen eine Realität innewohnt, so ist es höchst wahrscheinlich, dass das Od nicht eine materielle Ausströmung aus den Körpern ist, wie es Reichenbach zuerst annahm, sondern dass die odischen Wirkungen hervorgebracht werden durch Wellenbewegungen des Aethers von gewissen Längen. Und zwar hat es den Anschein, als ob die odisch wirksamen Aetherwellen solche von grosser Wellenlänge seien, jedenfalls von weit grösserer, als die Licht- und Wärmewellen, so dass vielleicht die odisch und die elektrodynamisch wirksamen Wellen zusammen fallen.

Es würden dadurch auch eine Reihe von Eigenschaften erklärbar sein, welche nach Reichenbach unverständlich sind. ? .B. findet dieser, dass mit dem Lichte und der strahlenden Wärme immer Od verbunden ist. Seine Sensitiven empfinden die Sonnenstrahlen kühl, rotglühende Körper üben auf sie den Eindruck eines kühlen Windes.

Wenn die Moleküle eines Körpers Schwingungen ausführen von gewissen Perioden, so müssen im Aether, nach Analogie der Akustik, von jeder solchen Molekularschwingung Wellen verschiedener Perioden erzeugt werden. Der Grundton mit einer grossen Reihe von Obertönen. Die Grundtöne wären nach dieser Auffassung odisch wirksam, während die Obertöne thermisch und optisch wirksam sind.

So könnte der sensitive Nerv im Sonnenlicht den kalten Grundton erkennen, während die gewöhnlichen Hautnervenenden die thermischen Strahlen und das Auge die sichtbaren Strahlen erkennt.

Wenn diese Ansichten, welche hier kurz entwickelt wurden, richtig sind, so bieten sich, abgesehen von anderen Experimenten, sofort folgende zwei, welche zu deutlichen Resultaten führen müssen.

Erstens müssen Sensitive diese elektrodynamisch wirksamen Strahlen; welche Hertz auf einfache Weise erzeugen gelehrt hat, sehr deutlich empfinden, da es gerade diejenigen Strahlen — in beliebiger Intensität- — sind, auf welche sie reagiren. Es müsste möglich sein, durch eine sensitive Person diejenige Verteilung der Kraft um eine primäre elektrische Schwingung herum direkt auffinden und aufzeichnen zu lassen, welche Herr Hertz durch sehr subtile, schwierige Versuche mühsam mittels seines sekundären Leiters gefunden hat.

Zweitens aber müsste es möglich sein, alle Od’schen Einwirkungen auf Sensitive — die ja gewöhnlich sehr schwach sind — dadurch zu verstärken und zu konzentriren, dass man sowohl den strahlenden Körper, als den sensitiven Menschen je in die Brennfläche eines parabolischen Cylinderspiegels aus Metall stellt. Ein solcher Spiegel hält erstens alle odischen Einwirkungen ab, die nicht direkt zum Versuch gebraucht werden und konzentrirt zweitens die Odstrahlen verschiedener Richtung alle auf die Brennfläche und dadurch auf den dort angebrachten sensitiven Nervenapparat. Man hätte dadurch ein Mittel, auch von schwach sensitiven Personen, die ja nach Reichenbach sehr verbreitet sein sollen, alle nur von den Hochsensitiven beobachtet wurden. Es würden so sich die Versuche alle mit ausserordentlich viel grösserer Schärfe und Leichtigkeit ausführen lassen, als es nach Reichenbach's Angaben selbst möglich wäre.

Es scheinen solche Versuche zunächst nur den Physiker und höchstens den Physiologen interessiren zu müssen. Aber, wenn Reichenbach Recht hat, so ist das Od diejenige Naturerscheinung, welche ihre Wurzel zwar in dem rein mechanischen Prozesse molekularer Bewegung hat, welche aber in ihren Verzweigungen weit hinaufreicht in das Gebiet der seelischen und geistigen Tätigkeiten. Sind ja doch vor allem die sogenannten magnetischen Striche, durch welche hypnotische, somnambule und andere Erscheinungen erzeugt werden, nach Reichenbach nur Odstriche, so dass wir hier bereits mitten in den Erscheinungen stehen, welche die „Psychologische Gesellschaft." pflegt. Aber noch weiter, alle Thätigkeiten, alle Empfindungen, alle Vorstellungen der Menschen sind mit besonderen Od-Ausströmungen verbunden.

Die Sensitiven können im Dunkeln aus der Od-Ausströmung auf die Empfindungen und Gedanken der Anwesenden direkt, schliessen, ja sie oft sogar sehen; so sehen sensitive Frauen im Dunklen durch die Kleider hindurch, wenn beim Manne sich sinnliche Begierde regt, die Gedankenübertragung ist nach Reichenbach's Versuchen eine Nothwendigkeit, und sie dürfte vielleicht mit den erwähnten Hohlspiegeln leichter gelingen, als bisher. Wie tief und innig aber Gefühlszustände mit Od-Ausströmungen verbunden sind, dafür bringt Reichenbach eine Reihe von Angaben vor, von welchen ich zum Schluss nur einige anführen will. (Folgen §§ 2852 und 2855 a.a.O.), die hier weggelassen seien.

Dieses Beispiel dürfte zeigen, wie wichtig, wenn Reichenbach's Od eine Realität ist, diese Erscheinungen für die gesammte Psychologie sind und dass daher die psychologische Forschung alle Ursache hat, diese Erscheinungen mit in den Kreis ihrer Aufgaben zu ziehen.

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Die vorstehende Abhandlung eines sehr bekannten, aber ungenannt gebliebenen deutschen Physikers hat mir werthvoll genug geschienen, um sie hier ungekürzt abzudrucken, denn sie bringt, soviel ich weiss, zum ersten Male die Anerkennung eines Fachmannes, dass die Reichenbach'schen Entdeckungen einen hohen wissenschaftlichen Werth haben und unsere Vorstellungen von der Constitution der Materie ungemein bereichern. Freilich hätte es diesem Fachmanne besser angestanden, statt sich seinen Fachgenossen gegenüber durch die Wendung am Schlusse der Abhandlung: „wenn Reichenbach's Od eine Realität ist" zu salviren, einfach an eine Nachprüfung der von Reichenbach beobachteten Erscheinungen zu gehen und, falls er sie hätte bestätigen können, das offen und ehrlich zu erklären. Im anderen Falle aber hätte er sich durch die Beseitigung von Hirngespinnsten ein grosses Verdienst erworben.

Der ungenannte Physiker fasst die Od-Erscheinungen etwas anders auf, als wie ich dies im theoretischen Theile dieses Werkes gethan habe. Bisher, meint er kannte die Physik nur die kurzen und raschen Aetherschwingungen, die wir als Licht und Wärme empfinden, und die von den analog schwingenden Molekülen von Körpern, welche glühend oder doch mindestens einige hundert Grad warm sind, angeregt werden. Hertz hat nachgewiesen, dass lange und langsame Aetherschwingungen existiren.

Wir sind also zu der Annahme berechtigt, dass von allen Körpern niederer Temperatur, die bisher als inaktiv angesehen wurden, den langen Perioden der Bewegung ihrer Moleküle entsprechend lange Aetherwellen ausgehen und die scheinen dem Od Reichenbach's zu entsprechen. Ein Auge, das solche lange Wellen sehen könnte, müsste im Finstern alle Körper namentlich alle regelmässig gebauten Körper, wie die Krystalle, leuchten sehen. Ferner, meint der ungenannte Physiker, müsste das Od, wenn es eine solche Wellenerscheinung wäre in seiner Verbreitung im Raume Umkehrungen, Knotenpunk ten genau, wie dies Hertz bei seinen langen Wellen    obachtet hat Beides ist nun nach den Beobachtungen von Reichenbach's in der That der Fall und damit ist die Identität des Reichenbach'schen Od und der langen Wellen von Hertz sehr wahrscheinlich gemacht.

Es giebt aber unter den von Reichenbach beobachteten Erscheinungen eine, die sich durch diese Voraussetzungen nicht erklären lässt, der ungenannte Physiker lässt sie auch unberücksichtigt. Das ist die Od-Flamme. Man lese darüber nach, was Reichenbach in §§ 38 bis 52 seiner Schlussbetrachtungen, S. 99—101 und namentlich in §§ 48 bis 50 sagt. Danach besteht zwischen den leuchtenden Od-Emanationen die von Spiegeln reflektirt, von Linsen gesammelt werden, sich also den gewöhnlichen Lichtstrahlen gleich verhielten und daher als Wellenbewegung des Aethers charakterisieren und der Od-Flamme, die Reichenbach irgendwo sogar leuchtenden Rauch nennt, ein unverkennbarer Unterschied über den sich auch Reichenbach vollständig klar war.

So sagt er in § 49: ,,Alle Odflamme lässt sich durch Luftbewegung fächeln, durch Hineinblasen hin und her beugen, verwehen und zersplittern; an festen Körpern biegt sie sich herum, folgt ihrer Oberfläche und strömt daran hin, wie jede gewöhnliche Feuerflamme; ist sichtlich ganz materieller Beschaffenheit.

Wer annimmt, wie ich, was ich im ersten Theile dieses Werkes ausgeführt habe, dass der Aether auf Wanderung begriffenen, aus den Molekülen emittirte Theilchen sind, dass diese Theilchen positiv sind und dass sie daher, in die Nähe fester Körper kommend, von den darin stets in geringer Menge frei vorhandenen negativen Theilchen angezogen und zum Umkreisen der festen Körper gezwungen werden, dem ist die Od-Flamme verständlich. Der von den festen Körpern, namentlich, an Metallen, sich erhebende Rauch, darin sind die von denselben emittirten Theilchen zu erkennen.

Die wallende flaumige Flamme (§ 39), die die Körper umstreicht, das sind die Aethertheilchen, aus der Sonne stammend, die die Körper umkreisen, um sich ihnen eventuell anzugliedern. An den Magneten und Krystallen bildet das Od-Licht einen von den Polen ausgehenden flammenartigen Strom, der in der Richtung der Magnetarme und Krystallaxen fast geradlinig fortgeht (§ 40), das sind die gleichgerichteten Aetherschwingungen. die von diesen natürlichen Aether-Strahlapparaten ausgesendet werden. Ich wünsche ausdrücklich hervorzuheben, dass ich nicht die Erklärung der Od-Erscheinungen als lange Aetherschwingungen, die von den festen Körpern angeregt werden, wie sie der ungenannte Physiker giebt, verwerfe. Solche Aetherschwingungen müssen gewiss von jedem Körper emaniren. Ihre Wellenlänge ist aber nicht gleich der Amplitude der Schwingungen der Moleküle in dem festen Körper, sondern, wie ich mit Wilhelm Weber annehme, gleich der Amplitude der Schwingungen der Aethertheilchen in den Molekülen oder besser gesagt, der Aethertheilchen und der Aetheraggregate in den Molekülen, woher es kommt, dass von einem Körper niemals nur Aetherschwingungen gleicher Wellenlänge ausgehen, sondern solche von sehr verschiedenen, unter sich aber insofern in gesetzmässiger Beziehung stehenden Wellenlängen, als sie von der verschiedenen Grösse bestimmt sind, welche die Aetheraggregate in den Molekülen des Körpers haben.

Die für sich schwingenden Aethertheilchen in den Molekülen geben die schnellsten Schwingungen aus. Wie schon früher ausgeführt, müssen aber die Aethertheilchen als Untereinheiten des Moleküls Aetheraggregate von verschiedener Grösse bilden, in denen Aethertheilchen in wechselnder Zahl vereinigt sind. Die kleineren Aetheraggregate regen noch rasche Schwingungen im benachbarten Aether an, aber doch langsamer, als die einzelnen Aethertheilchen.

Mit der Grösse der Aetheraggregate nimmt auch die Wellenlänge der von ihnen angeregten Schwingungen des Aethers zu, doch aber so, dass die sämmtlichen Wellenlängen der von einem festen Körper angeregten Aetherschwingungen eine ebensolche gesetzmässige Beziehung zu einander haben, wie in der Akustik der Grundton zu seinen Obertönen, wie das auch schon der ungenannte Physiker S. 117 hervorgehoben hat.

Diese von jedem festen Körper ausgehenden Aether-Schwingungen mögen im Od-Lichte mit sichtbar sein; sie sind aber meiner Auffassung nach nur ein Theil der Bewegungen des Aethers, die sich um die festen Körper ereignen und daher nur ein Theil dessen, was die Sensitiven im Dunkeln an den Körpern sehen, nicht das Ganze, wie der ungenannte Physiker glaubt.



Anhang

/korschelt 1892/ Seite 281

Nachtrag 3.
Die Dynamos der elektrischen Strassenbahnen als Aether-Strahlapparate.

Wenn ich in Halle in einem elektrischen Strassenbahnwagen fahre, so habe ich sehr bald sehr unangenehme Empfindungen. Zunächst fühle ich ein wirres kühles Wehen an den Beinen, dann entsteht eine Uebelkeit im Sonnengeflecht und schliesslich kommt noch ein Eingenommensein des Kopfes, eine Art Betäubung dazu, die nach Verlassen des Wagens manchmal bis zu einer Stunde anhält. Fährt aber ein Wagen vor mir auf der Strasse vorbei, so fühle ich einen kühlen Hauch ihm vorandringen und hinter ihm herziehen. Nachher habe ich für einige Minuten einen einseitigen schwachen Kopfschmerz auf der Seite, die dem Wagen zugewandt war. Als ich mich bei anderen erkundigte, die häufig die elektrische Strassenbahn in Halle benutzen, wussten alle nichts davon, machten aber — ebenfalls alle, denn die Wirkung ist eine ziemlich kräftige — sofort die gleichen Wahrnehmungen und wunderten sich nur, dass sie das früher nicht beachtet hatten.
Die Maschinen der elektrischen Strassenbahnen sind also Aether-Strahlapparate, die aber wirr und unregelmässig  (---282---) die Aethertheilchen ausstrahlen und daher unangenehm wirken. Die Drehbewegung, die sie den Aethertheilchen geben müssen, macht sie den Strahlstangen am ähnlichsten. Möglichst poröse Körper, wie Watte, hindern das Durchdringen der Aethertheilchen am besten. Es wäre also angezeigt, die Dynamos der elektrischen Strassenbahnen in Wattedecken einzuhüllen, um die von denselben ausgehenden schädlichen, weil verwirrten Ausstrahlungen des Aethers von den Fahrgästen abzuhalten und nach aussen zu leiten.

Lichtmaschinen haben auch eine merkbare, aber viel schwächere und bei weitem nicht so unangenehme Aetherausstrahlung.


Seite 278,   (im Nachdruck von 1920 auf Seite 187)


korschelt-nutzbarmachung-nachtrag-01.jpg
Anerkennungsschreiben des Preisgerichts der Hygienischen
Ausstellung in Halle, August 1891.

Herrn Professor Oskar Korschelt, Leipzig.
Es gereicht uns zur besonderen Ehre, Ihnen mittheilen zu können, dass das Preisgericht der „Ausstellung für volksverständliche Gesundheits- und Krankenpflege zu Halle a/S."
vom 21. bis 28. August 1891 Ihnen für Ihre Aether - Strahlapparate

die Goldene Medaille
zuerkannt hat.
Wir haben uns durch eigene Wahrnehmungen und zahlreiche Versuche überzeugt, dass Ihre Aether- Strahlapparate in der That dem menschlichen Körper lebendige Kiaft zuführen, welche derselbe nach Bedarf zu Heilzwecken in sich oder zu gesteigerten Kraftleistungen verwenden kann.
Besonders bemerkten wir eine sehr wohlthätige Wirkung auf das Nervensystem. Wir zweifeln nicht, dass Sie in Ihren Aether-Strahlapparaten der Heilkunst, einen neuen Faktor darbieten, und freuen uns, dass wir als die ersten Ihnen diese Anerkennung aussprechen konnten.
Auch für die Beförderung des Pflanzenwachsthums durch Ihre Aether-Strahlapparate haben Sie uns den Beweis erbracht.
In ausgezeichneter Hochachtung
Direktor Eckhoff-Stuttgart, Vorsitzender des Preisgerichts.
W. von der Lehe-Halle, Schriftführer des Preisgerichts.







Literatur:  b-literatur.htm

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