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Beobachtungen:

Johann Wilhelm Ritter

1776-1810

Lebenslauf
https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/Geschichte_der_Elektrochemie/modern/ritter.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wilhelm_Ritter



1. Literatur

2. Ritters Arbeiten, ein wichtiger Baustein in der Geschichte der Elektrochemie

3. Neue Versuche und Bemerkungen über den Galvanismus mit Kommentaren von C.H. Pfaff

4. Noch einiges über Nordlichter und Feuerkugeln, und
      auffallende meteorologische Wahrnehmung am 20sten Nov. 1804


5. leuchtende Barometer, zur Arbeitsweise der Forscher im 18 Jahrhundert

6. Fragmente aus dem Nachlass


7. Selbstversuche


1. Literatur

faraday-literatur.htm#ritter


K. Richter       
Das Leben des Physikers Johann Wilhelm Ritter - Ein Schicksal in der Zeit der Romantik,
H. Böhlaus Nachf., Weimar (2003)

J. W. Ritter
        Fragmente aus dem Nachlasse eines jungen Physikers,Herausgegeben von Steffen
        und Birgit Dietzsch,(1984) Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar, Original von 1810

J.W. Ritter 
Die Physik als Kunst, Lindauer, München (1806)

J.W. Ritter  
        Der Siderismus, Heft 1, Tübingen (1808)


"Sichtbare" Erscheinungen an Spannungsquellen                    ritter.htm#roth-blau

wie bei Reichenbach 50 Jahre später bei Magneten beschrieben   reichenbach.htm

s.a. /Rettig 2009/ S. 22 ff


 
2. Ritters Arbeiten, ein wichtiger Baustein in der Geschichte der Elektrochemie
https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/Geschichte_der_Elektrochemie/


2.1
https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/Geschichte_der_Elektrochemie/modern/ritter1.html

Spannungsreihe
Deutschland, 1798


Johann Wilhelm Ritter erkannte als Erster, dass die bei der Berührung zweier Metalle auftretenden Galvanischen Erscheinungen auch chemischer Natur sind. In seinem Buch "Beweis, dass ein beständiger Galvanismus den Lebensprozess in dem Tierreich begleite" erwähnte er eine Ordnung der Metalle, zu welcher er nach Wiederholung bereits bekannter Versuche gekommen war, über die unterschiedlichen Kontraktionen von Froschpräparaten bei der Belegung ihrer Nerven mit zwei verschiedenen Metallen. Er schrieb: "Ich unterlasse übrigens, die Folge der besonderen Glieder aufeinander in der Reihe der festen Körper, hier bestimmter anzugeben und begnüge mich bloß auf das merkwürdige Zusammentreffen dieser Ordnung, mit der, in welcher sich diese Körper in Rücksicht auf ihre Beziehung zu dem Sauerstoff finden, im Allgemeinen aufmerksam zu machen."
Im Begleitbrief an Volta zu diesem Buch führt Ritter folgende Tabelle an:
      Zink
      Blei
      Zinn
      Eisen
      Kupfer
      Wismut
      Quecksilber
      Silber
      Gold
      Kohle (gut ausgebrannte)
      Erze (welche den Galvanismus leiten, z.B. Reißblei)
      Braunsteinkalk (kristallisierter)

Ein Jahr später, 1799, schrieb Ritter, dass diese galvanischen Erscheinungen nicht nur im Zusammenhang mit Menschen oder Tieren auftreten, sondern "dass der Galvanismus, was wir unter ihm verstanden haben, kein ausschließliches Eigentum der organischen Natur [ist], dass er auch in der anorganischen Natur gegenwärtig sei"
Anm.: Zu Ritters Zeit wird mit organischer Natur das Belebte (Mensch, Tier) und mit anorganischer Natur alles andere bezeichnet.

Ritter schilderte in "Beiträge zur näheren Kenntnis des Galvanismus" den Versuch einer Oxidation des einen Metalls, wenn zwei verschiedene Metalle miteinander unter Wasser in Berührung stehen. Diesen Vorgang nannte Ritter "Effekt einer durch die Zusammenkunft der erforderlichen Bedingungen begründeten galvanischen Aktion". Ebenso war für ihn die Ausfällung eines Metalls durch ein anderes in saurer Lösung ein "völlig galvanischer Prozess".
Ritter begeisterte sich an diesem Ergebnis: "Aber welche Harmonie zwischen diesen Umständen, und der Verwandtschaft dieser Körper für Sauerstoff! - Bekanntlich ist Zink dem Sauerstoff näher, wie Kupfer, dieses demselbst näher, wie Gold, verwandt, und der Unterschied der Verwandtschaftsgrade des Zinks und Goldes zum Gold ist eben so groß, wie der Unterschied des Zinkes und Kupfers, addiert zu dem der Verwandtschaftsgrade des Kupfers und Goldes dafür. Die durch zwei verschiedene Metalle bewirkten Aktionen verhalten sich also wie die Verwandtschaftsunterschiede für den Sauerstoff, und dieses nicht etwa bloß hier in diesem Fall, nein! bei der Reihe der sämtlichen Metalle überhaupt scheinbar ohne wirkliche Ausnahme."


2.2
https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/Geschichte_der_Elektrochemie/modern/ritter2.html
zitiert nach: Voigts Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde, Bd. 2 (1800), S. 356-400

 Lob auf Voltas Säulenkonstruktion

"Voltas Erfindung eines Mittels, die galvanische Aktion durch die öftere Wiederholung ihrer Bedingungen nach Willkür und ins Unbestimmte zu multiplizieren, ist das größte Geschenk, was dem Galvanismus seit Galvani werden konnte. Schon das Einfache setzte uns in den Stand, in das System seiner Wirkungen [...] einzudringen, wieviel mehr wird das der Fall sein müssen, wenn wir diese Wirkungen [...] nun aufs 60-, 80- oder 100- und mehrfache vergrößern dürfen [...]. Aber nicht bloß das Erkannte, nur vergrößert, darzustellen, auch zur Entdeckungen ganz neuer Wirkungen des Galvanismus [...] ist Voltas Erfindung vorzüglich geeignet."


Beschreibung der selber verwendeten Konstruktion nach Volta

"Auf einem Fußgestell von weißem Blech stehen in ähnlichen Kapseln vier Glasröhren, die oben von neuem durch eine mit Kapseln versehene Blechhaube festgehalten werden. Zwischen beiden befinden sich die das eigentlich Wirksame des Apparates ausmachenden Lagen der beiden Metalle und der sie verbindenden feuchten Pappe, und zwar in der Ordnung, dass auf einer Unterlage von Holz, die man der besseren Isolation wegen noch mit einer oder etlichen Scheiben Glas bedeckt, zunächst eine Platte Silber (ein Laubtaler z.B.), dann ein den Flächenraum zwischen den vier Glassäulen ziemlich auffüllendes Stück mit Kochsalzlösung angefeuchteter Pappe, auf diesem eine gleiche Platte Silber, dann eine ähnliche von Zink und auf dieser wieder ein Stück nasser Pappe liegt. Bei den nachfolgenden Versuchen bestand die ganze Säule gewöhnlich aus 60 dergleichen Lagen."
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2.3
https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/Geschichte_der_Elektrochemie/modern/ritter3.html

Zitiert nach: Voigts Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde, Bd. 2 (1800), S. 356-400

Wiederholung von Nicholsons (1753-1815) Versuch

"Wir brachten in eine mit Wasser gefüllte Glasröhre (Figur 13) zwei Messingdrähte a und b und verbanden den ersteren durch andere Drähte mit dem Zink, den anderen mit dem Silber der Batterie. Sogleich zeigten sich an der Spitze von b eine Menge ganz kleiner, schnell in die Höhe steigender Bläschen, indes sich die Spitze des anderen mit einer äußerst zarten Wolke von Messingkalk umgab."
Ritter stellte fest, dass diese Reaktion umkehrbar war; vertauschte man die Anschlüsse, so entstanden an a Bläschen, während b verkalkte. Auch machte er ähnliche Versuche mit "Drähten oder Stangen von Zink, Zinn, Blei, Eisen, Kupfer und Wismut", bei denen er analoge Beobachtungen festhielt. Verwendete man hingegen zwei Drähte aus Gold, "zeigte sich die Gasentwicklung noch sehr lebhaft, ja, auch der andere Draht, der vorher, wenn er von irgend einem anderen Metall war, verkalkt wurde, gab jetzt Gas. Die Menge der Bläschen, die an a (d.i. an dem mit dem Zink verbundenen Drahte) erschienen, war beträchtlich geringer als die an b (d.i. der mit dem Silber verbundenen Drahte)" (Anm.: d.i. = das ist). Da an a bisher immer eine Verkalkung stattgefunden hatte, nahm Ritter an, es handele sich bei dem erzeugten Gas um Sauerstoff.
   

Wassergefülltes Glasrohr für Elektrolysen mit zwei Metalldrähten, die an die Pole einer Voltaschen Säule angeschlossen werden
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Entwurf eines neuen Apparates für genauere Messungen

"Figur 14 stellt den Apparat vor, dessen wir uns hierzu bedienten. In die gegenüberliegenden Seitenwände einer Schale von Marmor bohrten wir zwei Löcher, und steckten durch jedes, vermittelst Korkstöpseln, einen der Golddrähte, wie wir sie vorhin gebraucht hatten. Die gasgebenden Enden der Drähte standen einen reichlichen Zoll voneinander und die Drähte selbst waren, damit nichts von dem Gas, was sich ohne dies auch zu anderen von jenen Enden entfernteren Stellen, wenn auch minder häufig, entwickelt haben würde, wegen zu kleiner Öffnung der auffangenden Gefäße seitwärts verloren gehen könne, so weit mit Wachs überzogen, dass sie höchstens in der Lage eines halben Zolls an jedem Ende frei davon blieben. Darauf wurde das Gefäß mit Wasser gefüllt und über das entblößte Ende jedes Drahtes eine oben verschlossene, mit Wasser gefüllte Glasröhre so gestürzt, dass sie es ganz bedeckte und oben durch ein zur Seite angebrachtes Gestell festgehalten wurde. Noch setzte ich unter jeden Draht ein kleines Glas, um darin, was sich etwa während diesem zur längerer Dauer bestimmten Versuch von Goldkalk u.s.w. zeigen könnte, aufzufangen. Jetzt brachte ich den Knopf des Drahtes linker Hand, a, mit dem Zink der Batterie, den des Drahtes rechter Hand, b, aber mit dem Silber derselben in Verbindung"
Nach 16 Stunden Versuchsdauer stellte Ritter ein Gasvolumen von 1 (bei a) zu 2,5 (bei b) fest. Das Gas, das an a entstand, identifizierte er mittels vollständiger Verbrennung als Sauerstoff, das an b entstandene mittels Knallgasprobe als Wasserstoff.
"So ist es also durch Versuche nun nicht bloß auf das Vollständigste erwiesen, dass die bei der Einwirkung des verstärkten Galvanismus auf Wasser erzeugten beiden Gasarten, das Hydrogen wie das Oxygen, keineswegs von einer sogenannten Zersetzung des Wassers herrühren können, sondern überdies noch: dass auch die Erzeugung jeder Gasart ein Prozess sei, der ganz und gar nicht mit dem der Erzeugung des anderen zusammenhänge, sondern dass beide durchaus ganz unabhängig voneinander und einzeln stattfinden können."
Anm.: Mit letzter Aussage irrte Ritter.
ritter-elektrolyse-1800-ritt14.gif


2.4
https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/Geschichte_der_Elektrochemie/modern/ritter4.html
Metallsalze und Metallsalzabscheidung

Zitiert nach: Voigts Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde, Bd. 2 (1800), S. 356-400

Weitere Versuche mit der in Figur 13 dargestellten Apparatur machten Metallsalzbildung und Metallabscheidung beobachtbar.

Ritter befüllte die Apparatur mit schwefelsaurer Kupferauflösung und verwendete Eisendrähte. Hierbei war "außerhalb der Kette", das heißt, solang der Stromkreis nicht geschlossen war, eine "Niederschlagung des metallischen Kupfers auf beide Drähte in gleichem Grade", bei geschlossenem Kreis, "in der Kette", ein starker Niederschlag bei a und ein geringer bei b sichtbar.

Bei Befüllung mit schwefelsaurer Kupferlösung und Drähten aus Kupfer konnte man außer der Kette nichts beobachten, es blieb "alles in Ruhe" und in der Kette bei a ein "oxidieren und in Flüssigkeit auflösen" und bei b ein Niederschlag von "Kupfer aus Kupferauflösung auf Kupfer metallisch".

   

Wassergefülltes Glasrohr für Elektrolysen mit zwei Metalldrähten, die an die Pole einer Voltaschen Säule angeschlossen werden

Analog zu obigen beiden Versuchen mit anderen Metallen.
"Aber nicht bloß mit gleichen Metallen, auch wenn die Materie der Drähte an Oxidabilität der in der Säure der Flüssigkeit aufgelösten weit, ja ganz nachsteht, fand diese Niederschlagung statt. Solche Fälle sind:
      a und b =     Kupfer;     Inhalt der Röhre =     Zinkauflösung
      a und b =     Silber;     Inhalt der Röhre =     Zink- oder Kupferauflösung
      a und b =     Gold;     Inhalt der Röhre =     Zink- oder Kupfer- oder Silberauflösung

"Wärme, deren Einfluss auf die Wirksamkeit der Batterie ich schon oben erwähnte, beschleunigt übrigens in allen zum Versuch in Röhren, wie in Figur 13, genommenen Flüssigkeiten den in ihnen angeregten Prozess jedes mal oder macht ihn auch wohl erst möglich, wenn er vorher noch fehlte. Kälte derselben hingegen schwächt den vorhandenen oder hebt ihn auch ganz auf."

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2.5

https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/Geschichte_der_Elektrochemie/modern/ritter5.html

Ladungssäule
Zitiert nach: Voigts Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde, Bd. 6 (1803), S. 105

Versuchsaufbau und Beobachtungen.

"... Man schichte 50 Kupferplatten, wovon jede etwas größer als ein Laubtaler und etwa so dick als ein Kartenblatt, mit ebensoviel kochsalznassen Pappen von ungefähr zwei Quadratzoll Fläche und einer Linie Dicke (~ 2mm) nach der Ordnung: Kupfer, Pappe, Kupfer, Pappe, Kupfer u.s.w. und beschließe die Reihe zuletzt ebenfalls mit Kupfer. Man wird so eine kleine Säule haben, die, sich selbst überlassen, zu keiner Zeit weder den mindesten Funken, noch Gas, noch Schlag u.s.w. bemerken lässt." Diese Säule nennt er im weiteren A.
"Man verbinde jetzt das obere Ende von A durch einen Eisendraht mit dem + oder Oxygenpol, das untere Ende derselben durch einen anderen Draht aber mit dem - oder dem Hydrogenpol einer gewöhnlichen Voltaischen Batterie von 90 bis 100 Lagen Kupfer, Zink und kochsalznasser Pappe [...] und lasse beide 3-5 Minuten in Verbindung."
Nimmt man nun beide Drähte ab und schließt A kurz, so kann man einen Funkenschlag beobachten, der bei Wiederholungen sichtbar bleibt und langsam abklingt.

"Auch hat die Säule A während ihrer Verbindung mit der Batterie eine bedeutende elektrische Spannung angenommen, so dass sie Plus zeigt, wo sie mit dem Pluspol, und Minus, wo sie mit dem Minuspol jeder Batterie in Verbindung war. Sie behält diese Spannung nach der Trennung der Verbindung mit letzterer. Sie nimmt aber nach und nach ab, bis sie endlich unmerklich wird."
Mit der Spannung an A kann man genauso arbeiten wie mit der Spannung einer Voltaischen Säule: Man kann zum Beispiel ebenfalls eine Leidener Flasche laden. Diese Ladungssäule kann durch Wiederanschließen an die Säule jederzeit wieder aufgeladen werden.

Anm.: Ritter hatte vorher (Febr. 1802) die sogenannte Trockensäule erfunden, d.h. eine Volta-Säule mit "trockenen" Lagen von Schafsleder zwischen den Metallen. Während die Trockensäule unbeachtet blieb, entwickelte sich die Ladungssäule zum Akkumulator weiter und wird noch heute, zum Beispiel als Bleiakkumulator genutzt. Zur Wirkungsweise gab Ritter jedoch zunächst eine falsche Erklärung.




3. Neue Versuche und Bemerkungen über den Galvanismus
Zweiter Brief. Von der Wirkung größerer Voltaischer Säulen auf die Sinnesorgane, besonders auf das Auge, und von der möglichen Verstärkung des Galvanismus selbst bis ins Unendliche.
Annalen der Physik 19 (1805) 1 - 44

Ritter hat in Selbstversuchen versucht herauszufinden, welche Wirkungen auftreten, wenn man verschiedene Körperteile  (z.B. Nase, Augen, Ohren, Hände usw. ) mit einem Pol einer Batterie verbindet, während er den anderen Pol z.B. mit der Hand berührte.

Seite 6
"An die Erschöpfung der Capacität auch dieser ist dann so leicht nicht zu denken, und ihre Erregbarkeit möchte ich, im Gegensatze von jender, die unbeschränkte, unbedingte, oder allenfalls auch die unendliche, nennen. Doch auf Namen kommt so viel nicht an.

Wichtiger ist, daß der nämliche Gegensatz, der zwischen Flexoren und Extensoren, oder, da man im Galvanismus es doch mit ihren Nerven nur zu thun hat, den Nerven von ihnen, (oder wenn der nämliche beide versorgt, seiner diesen und jenen zugehörigen Theile, oder endlich, wie später sich findet, bloß ihrer Wirkungsarten, ) noch da fortdauert, wo auch alle Muskeln wegfallen, nämlich in den Sinnesnerven.

Die Versuche darüber, da man sie nur an sich selbst anstellen kann, sind etwas peinlich, und ich habe deßhalb nur erst drei Sinne gehörig bearbeiten können. Die Resultate sind kurz folgende.

Sie wissen, daß der positive Pol der Voltaischen Säule im Auge blaues Licht, der negative aber rothes Licht erzeugt. *)     (Annalen, VII 451 1801).**
Ich bleibe mit dem Auge am positiven Pole einer ziemlich starken Säule von 100, 150 oder 200 Lagen, befeuchte dann die Hand, welche schließt, recht gut mit Kochsalz- oder Salmiakauflösung, armire sie gut mit Metall, und schließe nun, zuerst bei wenig Lagen, dann fortgehend immer bei mehrern, bis endlich die ganze Säule im Kreise ist. Anfangs habe ich das nämliche Blau, wie sonst; es nimmt zu, (Seite. 7) je weiter ich gehe; endlich aber steht es still, trübt sich, es wird eine gemischte Farbe grüner Art daraus, doch nicht so bestimmt grün, als das vorige Licht blau war; dann entwickelt es sich zu gelb*) u.s.w., bis es endlich das herrlichste Roth und von einer Intensität ist, wie ich es bisher selbst am negativen Pole noch nie gesehen habe. Trenn ich jetzt, nachdem die Schießung einige Zeit gedauert hat, die Kette, so habe ich statt des bei schwächerer Wirkung gewöhnlichen roth, jetzt schönes Blau zu Trennungsfarbe. Dieses wird aber schnell sehr schwach, und geht durch die nämliche Art von Grüne, die ich vorhin beschrieb, in schwaches Roth über, in welchem dann das Phänomen erlischt. Das Ganze ist die Geschichte kaum einiger Secunden. Befinde ich mich am negativen Pole, und verfahre auf die gleiche Weise, so fällt der Versuch etwas schwerer, und ich brauche mehr Lagen, bis der Wendpunkt eintritt. Er tritt aber wirklich ein, und statt des gewöhnlichen Roth bei schwacher Wirkung, habe ich das lebhafteste Blau**). Oeffne ich die Kette, so habe ich zur Trennungsfarbe erst Roth, statt Blau, es geht aber bald durch den (Seite 8) Schein von Grün über in schwaches Blau, und in dem erlischt auch dieses Phänomen.
*) Dieses scheint gewöhnlich in der Mitte des Auges unter der Gestalt einer runden Scheibe von etwa 3 Linien Durchmesser hervor zu brechen, und sich von hier aus auszubreiten. R.
**) Hier bemerkte ich nie, wie oben beim Gelb, ein Anfangen desselben in Gestalt einer, ( und zwar anfangs scharf begräntzen,) runden Scheibe. R.

Diese Versuche sind schwer, und kosten viele Ueberwindung, denn das Auge steht ungemein dabei aus; doch habe ich nichts gescheut, durch öftere Wiederholung mich des Gleichbleibens ihrer Resultate durchaus zu versichern.

Eben so gelang es auch, den Geschmack umzukehren. Bei sehr starker Wirkung geht der gewöhnliche saure am positiven Pole, (Annalen VII, 448) durch einen wahrhaft mittelfalzigen, am besten mit dem des Kochsalzes zu vergleichenden Geschmack, über in einen bittern brennenden alkalischen, und man kann ihn hier in weit größerer Stärke haben, als je am negativen Pole. Auch der alkalische am negativen Pole geht mit steigender Wirkung über in einen immer mehr zu verstärkenden sauern. Man fühlt sodann das Brennen und Stechen, was man bei schwächerer Wikrung hat, fast gar nicht mehr, und hält recht gut in dieser hohen Temperatur aus.

Merkwürdig ist das Metallische des Geschmacks, was zwar schon bei schwächern Säulen nicht zu verkennen ist, bei diesen hohen Graden Galvani'scher Wirkung aber noch weit deutlicher hervor tritt. Man schmeckt auch sehr gut, daß nach den Polen ein Unterschied darin ist, auch wechselt er an demselben Pole mit dem andern Charakter des Geschmacks, dem sauern  oder alkalischen; aber, wo ist man im Stande, ihn genau zu beschreiben? (Das Bittere des (Seite9)   Alkalischen vorerst scheint am meisten mit dem Metallischen zusammen zu gehören.) Bei Galvani'schen Schlägen auf gewöhnliche Art durch beide Hände empfangen, aber so stark, daß man sie nicht anders zu bekommen pflegt, als wenn man bei sehr großen Batterieen unvorsichtiger Weise zufällig den Kreis schließt, bleibt jedes Mahl ein solcher Metallgeschmack sehr stark und lange im Munde zurück; es ist, als ob dieser ganz mit Metalldurft erfüllt ware.

Endlich habe ich Annalen VII, 458, bemerkt, daß der positive Pol Voltaischer Säulen ein merkliches Gefühl von Wärme, der negative aber von Kälte, in den dem Schlage ausgesetzten Theilen gebe. Doch auch dieses kehrt sich um, wenn man mit sehr großen, oder sehr stark wirkenden Säulen operirt. So unläugbar die Ordnung die erwähnte ist, so oft ich den Versuch an mäßigen Säulen mit Kochsalz, oder auch an größern mit Wasser gebauet anstelle: so gewiß ist es, daß, bei stärkerer Wirkung, man nichts von Wärme und Kälte unterscheidet, bei noch stärkerer aber am positiven Pole statt Wärme Kälte, am negativen Pole statt Kälte Wärme empfindet, und zwar bei Salmiaksäulen von etlichen huntert Lagen; und wenn man die einzelnen Finger ebenfalls damit befeuchtet hat, beides so heftig, daß es, besonders das Gefähl der Kälte, bis ins Peinliche geht, und volle Aehnlichkeit mit der Emfindung hat, die man bekommt, wenn man aus einem warmen Zimmer kommend, den Finger lange in Eis oder Schnee hält.

Besonders interessant hierbei aber ist, daß, ob man gleich bloß mit den Händen oder ihren Fingern in den Versuch eingeht, die Verwechslung der Gefühle von warm und kalt schon längst geschehen ist, ohne daß sich noch eine Spur von Verwechselung des allgemeinen Charakters des so genannenten Schlages selbst gezeigt hat. Er bleibt, was er von allem Anfange an war, expansiv für den positiven und contractiv für den negativen Pol. (s. m. Beiträge B. II, St. 2. S. 30) soe weit ich auch bis jetzt noch zu gehen gewagt habe. Ich sehe diese für einen neuen ganz hauptsächlichen Beweis für die Wahrheit dessen, worauf ich schon in Beiträgen, B. I, Sttr. 2, S. 170, antrug, nämlich: daß man den Sinn für Temperatur, (für Wärme und Kälte,) wesentlich vom Gemeingefühl unterschieden, und als einen besondern Sinn betrachten müsse."


**
Ritter Annalen der Physik und Chemie  VII (1801) S. 451
"Indem ich nämlich eines Abends bei Halbdunkel Versuche über die erzählten Lichterscheinungen im Auge anstellte, und zur Hervorbringung des positiven Zustandes eben den Knopf eines mit derm obern Zink (a) der Batterie in Berührung stehenden Drahtes ins Auge, und den nassen Finger der einen Hand mit dem untern Silber (B) der Batterie in der Stellung meines Körpers in Verbindung brachte, daß das gemannte Auge gegen die vier ungefärbten Glassäulen des Apparats gerichtet war, erschienen sie mit dem Augenblick der Schließung sogleich in einem sehr deutlichen bläulichen Lichte, und behielten diese Farbe so lange, als die Kette geschlossen blieb; gleich nach dem Moment ihrer Trennung aber erschienen sie mit einer röthlichen Farbe, die nach und nach schwächer wurde, und endlich ganz wieder verschwand.
Stand dasselbe Auge auf ähnliche Weise mit dem Silber (b), die Finger der Hand aber mit dem Zink (a) in Verbindung, so erschienen die Glasstäbe mit der Schließung der Kette und während des Geschlossenseyns in röthlichem, vom Augenblicke der Trennung an aber in einem allmählig abnehmenden und zuletzt gänzlich verschwindenen bläulichen Lichte. Ich habe diese Versuche, die übrigens zu ihrer Anstellung, wenn sie gelingen sollen, einen nicht geringen Grad von Geübtheit des Auges wie des Beobachters erfordern, mehrmals wiederholt, und jedesmahl die nämlichen Erfolge und aufs bestimmteste wieder erhalten.
* Herr Pfaff hat diese Versuche, seitdem sie bekannt geworden, vollkommen bestätigt gefunden. (Annalen, B. VII, S. 253)



*) "Sehen", erweiterte Wahrnehmung,
systematische Untersuchungen 50 Jahre später durch v. Reichenbach
 
reichenbach-briefe.htm#brief-14

K. v. Reichenbach, odisch-magnetische Briefe, Nr. 14

"Ein schwacher Sensitiver gewahrt an beiden Kristallpolen im Dunkeln nichts als eine graulich unbestimmte Wolke, einen trüben Schein inmitten der allgemeinen Finsternis.

Ein Mittelsensitiver unterscheidet, daß die Helle an einem Pole blaugrau und blau, am anderen gelb und gelbrot ist, gerade wie seine rechte und linke Hand.

Ein höherer Sensitiver endlich erkennt, daß dieses Blau und Gelb nicht einfach ist, sondern daß innerhalb desselben noch allerlei (Seite 166) andere Farben, grün, rot, orange, violett, durcheinander zucken, und jede der beiden Polflammen, genauer genommen, buntes Aussehen besitzt. Dies jedoch so verstanden, daß diese letzteren nur als Nebenfarben, als untergeordnete Farbenflecke in dem
            allgemeinen Blau des einen und dem
            allgemeinen Rot des anderen Pols

auftreten."




C.H. Pfaff Annalen der Physik 10 (1802) 219-238  
pfaff-annalen-18020100205_ftp-grundzüge.pdf

3. 1 Grundzüge von Volta's electrischer Theorie der Erscheinungen seiner Säule
von C.H. Pfaff, Professor zu Kiel in einem Schreiben an den Herausgeber.
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C.H. Pfaff Annalen der Physik 10 (1802) 219-238  

"Indessen kann ich wenigstens das verbürgen, daß ich in den Hauptpunkten als ein getreuer Dollmetscher betrachtet werden darf. So viel Treffliches, eindringend und genau Beobachtetes, und tief Gedachtes auch Ritter in seinen Briefen an Sie über die electrische Polarität der Voltaischen Säule gesagt hat, so finde ich doch nirgends Vola's Ansicht selbst; die Fundamentalversuche für eine solche Erklärung, die Ladung großer Batterien betreffend, gehören dem großen Physiker von Como eigenthümlich, und nur sie konnten auf eine solche Erklärung leiten, so wie hinwiederum die erste Ahndung einer solchen Erklärung diese Versuche veranlassen mußte."


C.H. Pfaff Annalen der Physik 9 (1801) 263
pfaff-annalen-18010091006_ftp-auszug-aus-brief.pdf


3. 2 Auszug aus einem Briefe des Herrn Professor C.H. Pfaff an den Herausgeber
pfaff-annalen-18010091006-263-001.jpg    pfaff-annalen-18010091006-264-001.jpg
C.H. Pfaff    Annalen der Physik  9 (1801)

"Man ist in Paris in gelehrten Neuigkeiten aus Deutschland sehr zurück, und ihre Annalen enthalten in Rücksicht der Physik wahre Schätze. Von Ritter's electroscopischen Versuchen mit der galvanischen Säule, habe ich eine vorläufige Nachricht ins Journal de physique und ins Bulletin de la Société philomatique einrücken lassen, und werde auch einen gedrängten Auszug aus den neuen Aufsätzen in ihrem Journale bekannt machen, damit die Franzosen unsern Eifer schätzen lernen.
Ermann hatte einen französich geschriebenen Aufsatz eingeschickt, der im Nationalinstitute verlesen und ins letzte Stück des Journal de physique (Thermidor) abgedruckt wurde. Er hat mich sehr interessiert, und bei den wenigen hiesigen Physikern, die sich mit Erfolg und Eifer mit dem Galvanismus beschäftigen, vielen Beifall gefunden. Unter diesen nimmt Biot eine ausgezeichnete Stelle ein. Ich schließe Ihnen hier eine Uebersetzung des Aufsatzes, den er im Nationalinstitute über den Galvanismus verlas, aus dem Manuscripte, das mit dieser gütige Freund mittheilte, bei, welche Sie, wenn Sie es für der Mühe wehrt halten, in Ihre Annalen einrücken mögen.*) Biot hat die wichtigsten Versuche, die ihm eigenthümlich sind, mit mir wiederhohlt, und ich kann die Richtigkeit derselben bezeugen.
Mit den großen Platten verbrannten wir dicken Eisendraht wie Zunder in atmosphärischer Luft, und doch konnten wir durch den Condensator kaum Spuren von Electricität erhalten....... "


C.H. Pfaff Annalen der Physik 7 (1801) 363
pfaff-annalen-18010070308_ftp-beschreibung-einfanchen-galvan.pdf

3.3  Beschreibung eines einfachen und bequemen Instruments zur
Anstellung des Versuchs über die Einwirkung der galvanischen Batterie
auf das Wasser. von C.H. Pfaff, Prof. in Kiel.

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C.H. Pfaff Annalen der Physik 7 (1801) 363

"Einer der interessantesten Versuche, der bis jetzt mit Volta's galvanischer Batterie angestellt worden , ist ohne Zweifel über die Verwandlung des Wassers in Sauerstoffgas und Wasserstoffgas. Dieser Versuch allein, so wie er von Ritter angestellt wurde, *) macht jene Entdeckung, aus der er entsprossen, zu einer der wichtigsten in der ganzen Physik und Chemie, denen dadurch eine gänzliche Umwandlung bevorsteht.*). Indessen ist nicht zu läugnen, daß Ritter's Art, den Versuch anzustellen, nicht wohl den evidenten Beweis von der wichtigen Folgerung, die er daraus zog, gestattete. Zu dem evidenten Beweise des Satzes, daß das Wasser bald vollkommen in Wasserstoffgas, bald vollkommen in Sauerstoffgas verwandelt werden könne, und daß die Verschiedenheit dieser beiden Gasarten nicht auf der Verschiedenheit ihrer wichtigen Basen, sondern der imponderabeln feinern Stoffe, denen sie ihren gasförmigen Zustand verdanken, beruhe, würde nämlich erfordert, daß man den Gewichtsverlust des Wassers bei Anstellung dieses Versuchs genau bestimmen, und somit seine Uebereinstimmung oder Nichtübereinstimmung mit dem erhaltenen Wasserstoffgas oder Sauerstoffgas angeben könne. Eine solche Vergleichung scheint der unbequeme Rittersche Apparat, der sich der Schwefelsäure zur Trennung der beiden Wassermengen bedient, nicht zuzulassen. Ich bin daher auf ein Instrument bedacht gewesen, das diesen Forderungen entspräche, und folgendes hat meinen Absichten vollkommen entsprochen."

*) Vergl. Ritter's weiter unten folgenden Brief. Er trennte zwei Wasserportionen durch die concentrirte Schwefelsäue, und entband aus der einen bloß Sauerstoffgas, aus der andern bloß Wasserstoffgas; ein Erfolg, den seitdem Dava auf eine vollkommnere Art durch Zwischenwirkung der thierischen Fieber erhielt. Das Stück der Annalen (1801, VII,1) worin diese Entdeckung Daviy's mitgetheilt wird, war noch nicht ausgegeben, als Herr Prof. Pfaff gegenwärtigen Aufsatz schrieb. d.H. "



4. Noch einiges über Nordlichter und Feuerkugeln, und auffallende meteorologische Wahrnehmung am 20sten Nov. 1804
Annalen der Physik 16 (1804) S. 235-242

.... S. 237

"Am 20sten Nov. d.J., Abends 6 1/2 Uhr, ließ mein großer von Herrn Adv. Steinhäuser zu Plauen verfertigter Stahlmagnet plötzlich sein gegen 20 Pfund betragendes Gewicht fallen. Er hatte diese Last nicht allein seit 3 Wochen in aller Ruhe getragen, sondern auch bereits Proben einer größeren Mächtigkeit, und feines Ueberstehens der stärksten Anstöße und Erschütterungen, denen er am Orte, wo er aufgehangen ist, etwa ausgesetzt seyn könnte, abgelegt.  Dieses Mahl aber herrschte die größte Stille im Zimmer, und eine äußere Ursache dieser Unzulänglichkeit ist mir, der ich nicht weit von ihm am Tische schrieb, durchaus unbekannt geblieben. Dagegen correspondirten folgende Umstände.

Das Barometer, welches am 18ten Nov. noch auf 28 Zoll 4 Linien stand, war bis zum 20sten langsam auf 28 Zoll 1/2 Linie gefallen, hielt sich auch (S. 238) bis Abends 10 Uhr hierbei; den 21sten früh 9 Uhr aber fand ich es, nach einem folglich sehr schnellen Falle, auf 27 Zoll 6 1/2 Linie, um 12 Uhr auf 27 Zoll 5 Linien, und Nachmittags 2 1/2 Uhr gar auf 27 Zoll 4 3/4 LInie, wo es bis 5 Uhr blieb, um 6 Uhr aber, als sich starker Sturm, (und zu diesem später Regen,) einfand, schon wieder auf 27 Zoll 5 Linien, Abends 10 Uhr auf 27 Zoll 6 1/2 Linie, den 22sten früh auf 27 Zoll 7 2/3 LInien, den 23sten früh auf 27 Zoll 8 Linien. Von da an kam es durch fernere geringe Abwechselungen erst gestern wieder auf den Stand vom 20sten November, ( bis es endlich heute Nachmittags 3 Uhr gar 28 Zoll 4 3/4 Linien, den höchsten mir bekannten Stand zu Jena für dieses ganze Jahr, erreicht hatte, den es jedoch jetzt, (7 Uhr) wieder zu verlassen im Begriffe ist. ) -

Ein anderes Barometer, welches ich bloß zu Beobachtungen über sein ausnehmend starkes Leuchten halte, leuchtete an jenem 20sten Nov. ganz außerordentlich schwach; im größten Dunkel war sein fast feuriges Licht nur matt blau, und nicht stärker, als es bei starkem Leuchten etwa bei der Helle der Abenddämmerung erscheint. Bei dieser leuchtete es am gedachten Tage gar nicht. Früh aber und den Abend zuvor hatte es noch wie gewöhnlich geleuchtet, auch schon am 21sten Abends leuchtete es wieder so, und ist seitdem alles Wechsels ungeachtet, doch so schwach bei weitem nicht wieder gewesen, viemehr ist das (S. 239) Licht gestern Abend, (vor dem schnellen Steigen des Barometers, ) so stark gewesen, als nur selten, heute Abend aber scheint es schon wieder durch ein viel schwächeres, den bevor stehenden Fall des Barometes vorher zu verkündigen. --

Die Voltaische Säule wirkte am 20sten Nov. Abends vorzuüglich schwach. Ich hatte seit mehrern Tagen in demselben Glasappate täglich eine neue gleiche wirken lassen. Am folgenden Tage war sie schon stärker, und ist es geblieben.

Ich hatte Nickeldraht, von dem nämlichen, den Herr Richter im neuen allg. Journale der Chemie, III, 444, 445, beschreibt, als Hydrogenpol im Gasapparate. (Der Oxygenpol war Platina. Richter's Nickel als Oxygenpol in Wasser oxydirt sich, ohne Gas zu geben.) Jedes von meinen Reisen abgeschnittene Stück solchen Drahtes ist an und für sich selbst schon ein Magnet, und von nicht geringer Stärke. So hatte auch das Stück im Gasapparate, da, wo es Gas geben sollte, Nord, da, wo es mit der Säule in Verbindung war, Süd. Der Draht lag, zu Folge der Stellung des Apparats, im Meridian, mit etwa 30° nördlicher Inclination des Endes, welches Süd hatte. Um 12 Uhr Mittags schloß ich die Kette, öffnete aber von Zeit zu Zeit, um den vorher untersuchten Grad des Magnetismus des Drahtes mit dem zu vergleichen, den er nach einigem Seyn in der Kette etwa haben würde. Schon um 1 Uhr bemerkte ich eine Schwächung desselben, und um 4 1/2 Uhr fand ich dieselbe so groß, daß ich (S. 240)  vollkommen glaubte, wenn die Kette noch eineige Stunden geschlossen bliebe, würde aller vorige Magnetismus aus dem Drahte weg, und vielleicht ein umgekehrter an dessen Stelle getreten seyn. Während dessen ereignete sich der Vorfall mit dem Magnete, und, immer noch des alten Glaubens, sah ich erst gegen 8 Uhr nach. Aber die Schwächung war nicht weiter gegengen; im Gegentheile war der Draht schon wieder etwas stärker. Ich schloß von neuem bis zum 21sten früh 9 Uhr. Nach der Oeffnung fand ich den Draht nun noch stärker, als gestern Abend, und nahe wieder so stark, wie vor allem Versuche. Offenbar hatte die Action der Säule an allem diesem keinen Antheil, auch war sie ebenfalls schwächer zur zeit, als der Magnetismus des Drahts es war. Der kleinen Nickelnadel war blß dasselbe wiederfahren, was dem großen Magnete.

Ich bin neugrierig, ob von jenem 20sten Nov. noch andere Naturereignisse bekannt werden. - Gegenwärtig trägt der Magnet die Last vollkommen wieder, die er längere Zeit nach dem Abwerfen derselben, durchaus nicht ganz wiedernehmen wollte.

Die gleichzeitige Beobachtung des leuchtenden Barometers habe ich darum beigefügt, weil der Grad des Leuchtens desselben in seinem Wechsel durchaus mit dem des Grades der Wirksamkeit der gewöhnlichen Electrisirmaschine, wie der Voltaischen Säule, parallel geht, welches nebenbei noch bestätigt, (S. 241)  was sich noch auf directere Art gewiß machen läßt: daß der Wechsel der Wirksamkeit der beiden letztern, der Haupsache nach, von äußern Umständen, ( Feuchtigkeit der Luft, u.s.w.,) ganz unabhängig ist; denn im Vacuum des Barometers sind diese Einflüsse vollkommen ausgeschlossen, und wie wenig sie durch das Glas hindurch vermögen, sieht man, wenn man dasselbe äußerlich über und über mit Wasser näßt, (ich thue das in diesem Augenglicke noch,) es hinaus in die Kälte oder herein hinter den Ofen hängt, u.s.w., welches alles, bei meinem Barometer wenigstens, nichts ändert. Daß aber dieses Leuchten ein electrisches Phänomen sey, ist, besondes seit Waiz, erwiesen genug, wenn auch die weitern Bedingungen dieses Prozesses, gerade hier, noch nicht so dargethan seyn möchten.

J. Bernoulli glaubte entdeckt zu haben, und de Luc behauptete noch in seinen Untersuchungen über die Atmösphäre, (Theil I, $ 74 und 89) daß das Barometer nur dann leuchte, wenn das Quecksilber in der Röhre herab, nie, wenn es in ihr hinauf gehe. Wenn jedoch für sein Leuchten gerade ein sehr guter Tag ist, leuchtet es allerdings auch in diesem letzten Falle. Die Leere ist dann, so lange das Quecksilber hin- und hergeht, unaufhörlich voll Feuer; meist bemerkt man zwischen dem Wechsel der Lichtsäulen oder Kegel nicht die geringste Zeit; Ein und die Nämliche scheint bloß länger und kürzer zu werden. Das helleste Licht ist alle Mahl gleich über dem Quecksilberspiegel, (S. 242) wo ein angenehmes Fünkchenspiel Statt hat, während das feuerfarbige Licht in der Leere ein ruhiges ist. Nie aber leuchtete meine Barometer stärker und schöner, als am 30sten Nov. 1803 Abends. Gerade diesen Abend aber stieg dasselbe auch so schnell, daß es in 30 Stunden von 27 Zoll 1 1/3 Linien auf 28 Zoll 3 1/4 Linien gekommen war, und zugleich trat heftige Kälte ein; eben so, wie des gestern Abend und Nacht zu Anfang des Steigens bis auf 28 Zoll 4 LInien wieder sehr stark leuchtete, und es zugleich kälter geworden ist.

Annal. d. Physik II 19 St. 2  J 1805  St. 2
Johannis Bernoulli, Opera omnia, (1742),    ab Seite 220  Kapitel  Barometrum Novum    ?????

de-Luc  Untersuchungen ueber die Atmosphaere und die zu Abmessungen ihrer Veränderungen dienlichen Werkzeuge, Leipzig   (1776)
ausführliche Diskussion im Kapitel: Untersuchungen über das Leuchten einiger Barometer von Seite 64 bis 95
https://books.google.de/books?id=_4c5AAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0


Ich habe eine ziemliche Anzahl Versuche und Beobachtungen über das Leuchten solcher Barometer gemacht, will aber ihre Mittheilung versparen, bis sie von mehr Interesse sind, indem sie sich noch an einen andern Gegenstand, an die Bewegung von Körpern in luftdünnen und leeren Räumen, anzuschließen scheinen. Wenigstens ist es nicht umsonst gewesen, daß das erste, womit ich an dem Tage, an dem ich das Barometer kaufte, der gerade ein sehr guter war, unwillkührlich die ganze Erscheinung verglich, eine Feuerkugel oder Sternschnuppe mit ihrem Schweife war. Diesen Vergleich haben mir unbefangene, und, was noch besser war, ungelehrte Zuschauer, ohne von dem meinigen zu wissen, unzählige Mahl wiederholt."

ritter-barometer-1800-20-nov-001.jpg
Abb. 01: Luftdruck nach Ritters Angaben in cm Hg
Tag 324:  18. November   Tag 326: 20. November
für Zoll wurde 2,54 cm gerechnet, 12 Linien ergeben einen Zoll.
Der "Wetterumschwung" betrug 3 cm Hg, das ist nicht besonders viel.

Ritters Angaben beziehen sich auf den absoluten Druck und sind nicht auf Meereshöhe umgerechnet. Dort beträgt der "normale" Luftdruck 1013 hPa, bei 600 Meter Höhe sind es 938 hPa. Vermutlich hat er etwa bei 300 Meter Höhe gemessen. (Weimar liegt bei ca. 250 m)  (FB)



        5. leuchtende Barometer, zur Arbeitsweise der Forscher im 18 Jahrhundert

https://de.wikipedia.org/wiki/Barometer
"Im Jahre 1675 machte der Abt Picard, der nachts ein Quecksilberbarometer transportierte, eine merkwürdige Entdeckung. Bei jeder Bewegung erschien ein bläuliches Licht aus dem Rohr. Dieses Phänomen wurde von Francis Hauksbee, einem Schüler von Boyle, untersucht, aber es wurde zu dieser Zeit noch keine befriedigende Erklärung gefunden. Aber ab diesem Zeitpunkt begann man, erste Untersuchungen über elektrische Entladungen in hoch verdünnten Gasen anzustellen. Man weiß heute, dass es Reibungen von Quecksilberatomen an der Glaswand sind, die diese Lichterscheinung bewirken."


/Bernoulli 1742/ Seite 323

bernoulli-mercurio-lucente-s323.jpg




                    5.1 "Untersuchungen über das Leuchten einiger Barometer"

/de Luc 1776/ Seite 64-95
Seite 67
"Hypothese des Hrn. Johann Bernoulli
72 Hr. Bernoulli, Professor der Mathematik zu Gröningen, erdachte im Jahre 1700 eine etwas spitzfindige Hypothese, die sich dem ohngeachtet länger erhielt, ob ihr gleich die Versuche widersprachen. Die andern Hypothesen, welche man anfänglich an ihre Stelle setzte, thaten entweder den Erscheinungen nicht besser gnüge, als sie, oder sie waren auf schlechte Gründe gebaut. Ich will einen kurzen Abriß der Bernoullischen Meinung aus der Schrift geben, welche dieser Gelehrte im Jahre 1719 unter der Aufschrift: de mercuio lucente in vacuo herausgegeben hat. 
J.Bernoulli Opera omnia ..... pag. 323


Herr Bernoulli nahm in Absicht auf die Entstehung des Lichts die Meinung des Descates an, daß nemlich die feine Materie oder erst Element an die Kügelchen des Aethers, die den Himmelsraum erfüllten, oder das zweyte Element anstoße. Er setzte voraus, daß 1. die engen Zwischenräume des Quecksilbers viele feine Materie enthielten, weil sie nur diese und keine andere durchlassen könnten, 2. daß das Glaß, da es weit leichter, als das Quecksilber sey, auch viel weitere Zwischenräume habe, und folglich auch von den Kügelchen des Aethers durchdrungen werde, 3. daß bey dem Schwanken des Quecksilbers die Kügelchen sehr schnell durch die Zwischenräume des Glases drängen, zugleich aber auch die feine Materie mit Heftigkeit aus dem Quecksilber hervoströme, und das gewaltsame Gegeneinanderstoßen beyder Materien das Licht verursache. Hr. Bernoulli brachte zur Bestätigung seiner Hypothese die beständige Beobachtung vor, daß das Leuchten sich nur bey dem Niedersteigen des Quecksilbers zeigt, (89.), und daß das Licht überhaupt sowohl bey Barometern, als auch bey andern luftleeren Gläsern beständig dem Quecksilber nachfolgt, niemals aber vor demselben vorhergeht."
Seite 86
"10. Endlich ist das Anziehen und Zurückstoßen ein unterscheidendes Kennzeichen der Elektricität überhaupt: der Bernstein (im Lateinischen electrum) hat nur deswegen denen Materien seinen Namen leihen müssen, die leichte Körper anziehen, wenn sie gerieben werden, weil er diese Eigenschaft in einem vorzüglichen Grade besitzt; leuchtende Barometer zeigen dieses Anziehen und Zurückstoßen leichter Körper ebenfalls, wenn sich das Quecksilber in ihnen bewegt. Wenn man neben der Röhre einen Faden aufhänget, so wird derselbe bey den ersten Schwingungen des Quecksilbers angezogen, wenn der leer Raum entsteht, und zurückgestoßen, wenn das Queclksilber die Röhre wieder erfüllt.
Wenn es aber die Länge der Röhre verstatte, dem Quecksilber starke Schwingungen zu geben, und das Reiben stark und anhaltend ist, so wird der Faden ohne Rücksicht auf den verschiedenen Stand des Quecksilbers immerfort angezogen und zurückgestoßen; doch bleibt er oft eine lange Zeit fest an der Röhre hangen. Diese Versuche beweisen, daß das Anziehen des Fadens, oder sein Anstoßen gegen die Röhre nicht einer seinen Luft zuzuschreiben sey, die sich gegen die Röhre bewegt, wenn sich der leere Raum in ihr befindet, wie einige Physiker geglaubt haben. Denn in dem eben beschriebenen Falle wird der Faden wechselweise angezogen und zurückgestoßen, es mag die Röhre voll oder leer seyn."

Seite 80  (Kommentar zu wissenschaftlichen Methoden)
"81. Nichts ist fähiger (als) diejenigen, welche nicht selbst alle Versuche nachmachen können, auf irrige Meinungen zu führen, als die Eilfertigkeit, mit welcher oft berühmte Gelehrte Sätze für allgemein ausgeben, die nur in gewissen Fällen richtig sind, mit der sie sogar oft Ausnahmen zu allgemeinen Regeln machen.

Hätte sich Hr. Musschenbroek begnügt zu sagen, daß das Leuchten der Barometer kein sicherer Beweiß ihrer Vollkommenheit sey, so hätte er etwas sehr richtiges gesagt: auch hätte er sich nicht von der Erfahrung entfernt, wenn er behauptet hätte, ein leuchtendes Barometer sey wahrscheinlich ein gutes: allein wenn er behauptet, es sey nothwendig ein schlechtes, so geht er beträchtlich von dem ab, was die Versuche lehren.
Wie viele Leute würden nach seiner Meinung schlechte Barometer, weil sie nicht leuchteten, hochgeschätzt, und gut verachtet haben, weil sie ein Licht zeigten?"




aus strom-sehen.htm

6. Fragmente aus dem Nachlass


Johann Wilhelm Ritter, Fragmente aus dem Nachlasse eines jungen Physikers,
Herausgegeben von Steffen und Birgit Dietzsch,
(1984) Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar    (Original von 1810) 

Seite 353 /Ritter 1984/
"An dieser Volta-Batterie vervollkommnete Ritter seine Erkenntnisse über die galvanische Elektrizität, er verbesserte diese Batterie und konnte an ihr bisher unbekannte Zusammenhänge aufdecken; so entwickelte er jetzt das Elektrolyseprinzip und mit der >Trockensäule< eine Vorform des Akkumulators. Auch stand er kurz vor der Entdeckung des Elektromagnetismus, die dann seinem Freund Hans Christian Oersted später (1820) wirklich gelang (übrigens hat Ritter im Brief vom 22. Mai 1803 an Oersted diese Entdeckung aufs Jahr genau vorausgesagt!)."

Seite 369 /Ritter 1984/
"Oersted, Hans Christian (1777-1851), Sohn eines Apothekers, Studium der Arzneikunst und Naturwissenschaften, Promotion über die Kantsche Philosophie; Adjunkt, ab 1806 Prof. der Physik in Kopenhagen. Er begegnete Ritter auf seiner ersten Deutschlandreise erstmals am 18.9. 180! in 0berweimar. Ritter zeigte ihm seine galvanischen Experimente. Oersted schrieb nach seiner Abreise aus Weimar am 21.9. in sein Tagebuch, er hoffe, aus ihrer Freundschaft >viel Vergnügen und Gewinn< zu ziehen. Er lebte dann längere Zeit in Berlin und besuchte Ritter wieder im Herbst 1801 Und zum letztenmal vom 13.8.-4.9.1802 in Jena, wo er sich an den Experimenten beteiligte und eine interessante Kurzbiographie über Ritter schrieb. Danach kam es zu einem regen Briefwechsel der bis zu Ritters Tod währte (veröffentlicht in: Correspondance de H. C. Örsted avec divers savants, hg. von M. C. Harding, Kopenhagen 1920, Bd.2, S.3-260). Oersted schätzte seine Beteiligung an Ritters Experimenten für seine eigenen weiteren Forschungen als sehr wichtig ein. 1820 entdeckte er die Ablenkung einee Magnetnadel an stromdurchflossenen Leitern und damit den von Ritter und ihm langgesuchten Zusammenhang zwischen Elektrizität und Magnetismus."

Seite 380 /Ritter 1984/
"(Ritter, Einige Bemerkungen über die Cohäsion und den Zusammenhang derselben mit dem Magnetismus,
in: Annalen der Physik, hg. von L. W. Gilbert, Bd. IV, S. 30,"

Seite 381 /Ritter 1984/
"William Gilbert: (1540-1603), englischer Mediziner, Leibarzt der Königin Elisabeth und Physiker. In seinem Werk >De magnete, magneticisque corporibus et de magno Tellure, Physiologia nova< (London 1600, dt, 1633) begründete er die Lehre vom Erdmagnetismus und gebrauchte erstmals den Begriff >elektrisch< (libr. II cap II). Er konstruierte das erste Elektroskop und beschrieb den Unterschied zwischen Elektrizität und Magnetismus. Mit seiner Auffassung von der Erde als einen Magneten wurde er zu einem der wichtigsten Wegbereiter für eine physikalische Erklärung der Planetenbewegung und damit der neuzeitlichen Physik überhaupt.
Ritter bezeichnete ihn als >Vater des Magnetismus< (in: Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde hg. von J.H.Voigt, Bd. VIII, S. 513) und bezieht sich im Fragment darauf, daß William Gilbert die elektrische Anziehung auf materielle Ausflüsse (humor) zurückführt, die durch Reibung stärker hervorträten, und sie mit der Anziehung zweier auf dem Wasser schwimmender feuchter Hölzer vergleicht."

Seite 102 /Ritter 1984/
"135.
Alle Vergleichungen in der ersten Zeit der Geschichte eines Gegenstandes können, wenigstens provisorisch, für Identitäten gehalten werden. So wurde früh das Leuchten des gestoßenen Zuckers mit dem elektrischen Licht verglichen, die elektrische Anziehung mit der des Zusammenhangs schon von William Gilbert usw."
Seite 156  /Ritter 1984/
"315.
Geriebener Diamant leuchtet im Dunkeln. Der Sonne ausgesetzter Diamant leuchtet im Dunkeln. Somit tut Reiben mit Heterogenem dasselbe, als Aussetzen ans Licht, und umgekehrt. Die Körper elektrisieren sich am Licht, und ihr nachheriges Leuchten im Dunkeln ist das bloße Wiederaufheben ihrer Elektrizität, - ein stiller langsamer Funken."
Seite 398  /Ritter 1984/
"165
Bononischer Leuchtstein: der sogenannte Bononische Phospohr oder Leuchtstein wurde 1650 von dem Schuhmacher Vincenzo Cascariolo aus Bologna (lat.:Bononia) durch Zufall entdeckt, als er nach dem Erhitzen des Steins ein eigenständiges Leuchten im Dunkeln beobachtete. Das Phänomen wurde von verschiedenen Wissenschaftlern untersucht, z.B. von Atanasius Kircher (Ars magna lucis et umbrae, 1671) und damit erklärt, daß der Stein das Licht einsaugen und wieder abgeben könne -
Habe ich dir schon gemeldet, dass Canton'sche u. Bononi'sche Leuchtsteine im dunkeln Felde des Prismabildes ausserhalb des Violetts stärker leuchtend werden, als im Violett (...) selbst? (Ritter an Oersted vom 11. März 1805)
.
Morhofs: Daniei Georg Morhof (16,9-1691), Professor der Dichtkunst in Rostock, dann Professor der Dicht- und Redekunst und später der Geschichte in Kiel. Der von Ritter mitgeteilte Versuch ist beschrieben in: Epistolae de scypho vitreo per certurn humanae vocis sonum rupto a Nicolo Pettero((1672).
Mersennes Beobachtung: Marin Mersenne 1588-1648), Minorit, lehrte Philosophie und Theologie in Paris. In seinem grundlegenden Werk über die Akustik >Harmonicorum< (Paris 1635) beschrieb er die Gesetze der Pfeifen und der schwingenden Saiten. Er fand, daß die Tonhöhe von Länge, spezifischem Gewicht, Durchmesser und Spannung der Saiten beeinflußt wird."


7. Selbstversuche
Ritter Annalen der Physik 7 (1801) 432-484

Versuche und Bemerkungen über den Galvanismus der Voltaischen Batterie,
von J.W. Ritter
in Jena
in Briefen an den Herausgeber

erster Brief, Jena den 14.ten Februar 1801
Verhalten der Voltaischen Betterie zur einfachen galvanischen Kette -
Vermutlicher Galvanismus in Pflanzen und im Thiereiche.

Seite 477
"35. Es war in der letzten Hälfte des Januars, als ich mich besonders viel mit Versuchen über die Wirkung starker wie schwacher Batterien auf die verschiedenen Sinne abgab. Augenentzündungen nach stärkeren stundenlangen Lichtversuchen, geschwächte Empfindlichkeit der Zunge, Schnupfen nach öftern Versuchen in der Nase, Schwindel und Kopfweh nach starken Schlägen durch den Kopf, und das nach jedem etwas anhaltenden Experimentieren an diesem oder jenem der genannten Theile des Kopfs beinahe fast unausbleiblich erfolgende Zahnweh, war mir seit langer Zeit nichts Neues, und, die Augenentzündungen abgerechnet, gemeiniglich fast eben so schnell wieder vergangen, als entstanden.
Ich hatte seither dergleichen Versuche nie zu anhaltend fortgesetzt, sondern häufig mit andern, fremden Dinge betreffenden abgewechselt. Daher mochte es kommen, daß jene Uebel in den Grenzen blieben, wo ich sie nicht achten zu dürfen glaubte.
Eines Tages, (den 2ten Febr.,) hatte ich den ganzen Morgen unausgesetzt mit Versuchen über die in 28* bis 31, vorzüglich aber die in 29 erwähnten Gegenstände, und mit Batterien, so stark, als ich ihre Wirkung jedes mal ertragen konnte, zugebracht, und beschloß sie darauf mit einem weitläufigen Versuche, der mich, was ich schon lange gewollt hatte, lehren sollte: welchen Einfluß eine längere Einwirkung geschloßner galvanischer Batterieketten, in denen sich mein Körper ganz als Glied befände, auf mich haben könnte.

Ich setzte mich dazu mit einer Zinkkupferbatterie von 100 Lagen**, die überdies noch schon seit gestern errichtet war, also schon beträchtlich von ihrer anfänglichen Wirksamkeit verloren hatte, auf eine gute halbe Stunde in Verbindung. Beide Hände feuchtete ich stark und gleichförmig mit Salzwasser an, faßte in jede eine Stück Eisen von beträchtlicher Oberfläche, (eine Zange mit breiten Griffen,) und brachte sie durch diese mit den beiden Enden der Batterie in gehörige Verbindung.

Der Schlag, den ich bei der Schließung dieser Kette erhielt, und der auf der Kupferseite aufallend angreifender als auf der Zinkseite war, erstreckte sich die Arme hindurch bis über die Schulter hinaus. und ich mußte mich anstrengen, um durch Ueberwältigung der bis zur äußerlichen Sichtbarkeit der Zuckungen mehrerer Armmuskeln gehenden, und die Arme beim Freilassen derselben auf dieselbe Weise, wie vom Ganzen abgetrennte contractile thierische Organe in den ältern galvanischen Versuchen, schleudernden Convusionen derselben, der Batterie selbst keinen Schaden zukommen zu lassen.

Kurz nach dem Eintritte in diese Kette empfand ich in dem mit der Kupferseite der Batterie in Verbindung stehenden Arme und dessen Hand häufig eine merkliche Kälte, als ob ein kalte Wind sie anwehete, ohngleich etwas Wirkliches dergleichen wegen der Abwesenheit allen Luftzugs im Zimmer und der gewöhnlichen Bekleidung der Arme von der Hand an, nicht statt finden konnte.  In der Hand und dem Arme der andern Seite erzeugte sich allmählig, durch nicht sobald so deutlich, gerade das Gegentheil von dem Vorigen, d.i. , eine merkliche Wärme, begleitet von einem starken unangenehmen Jucken durch die ganze Hand.

Auch fand sich in dem Arme der Kupferseite nach und nach eine deutliche Steifheit und Abgang an Beweglichkeit, und zuletzt merkliche Spannungen in der Gegend der Schulter ein, von welchem allein der Arm der Zinkseite der Batterie so befreit blieb, daß ich vielmehr lieber eine Vergrößerung seiner Beweglichkeit angeben möchte, wäre man nicht berechtigt, in Bestimmungen dieser Art, wozu man sich zustände seiner selbst von Stunden her dem Grade und der Art nach so genau bewußt seyn muß, einiges Mißtrauen zu setzen.

Beide Arme mit ihren Händen waren übrigens die Zeit des Versuchs über in gleicher Lage usw. gewesen. Ich verliß nach einer reichlichen Stunde die Batterie, ohne etwas weiteres, als das Erwähnte zu wissen. Aber keine Viertelstunde verging, als ich, ohne die geringste mir bewußte sonstige Veranlassung dazu Schmerzen im Unterleibe und einige Zeit darauf wirkliche Diarrhöe bekam, die, (der  Versuch geschah nach Vormittag,) den ganzen Nachmittag hindurch anhielt.

Eine damit verbundene allgemeine Mattigkeit und Schläfrigkeit in allen Gliedern nöthigte mich, über Gewohnheit zeitig das Bett zu suchen und es bis den andern Morgen spät zu hüten. Auch diesen folgenden Tag dauerte sie nebst einem wiedrigen Wüsteseyn im Kopfe, abgebrochenen Neckereien in den Zähnen, und einem seit dem vorigen Tage sich, sobald ich mich zurücklehnte oder niederlegte, einfindenden empfindlichen Reize im Halse fort.

Ein sehr widriger Zustand allgemeiner Lästigkeit und Mattigkeit machte mich mehrere Tage zu ernstlichen Arbeiten ganz untauglich, und noch jetzt, fast 1 1/2 Wochen danach, macht mich jede sonst unbedeutende Anstrengung des Körpers wie des Geistes gleich so matt und leidend, daß ich mich habe entschließen müssen, zu ernstlichen Gegenmitteln meine Zuflucht zu nehmen; nebenbei hat mir das alles einen solchen Widerwillen gegen alle Versuche mit der Batterie beigebracht, daß, so sehr sie mich auch vorher von allen Seiten anzogen, ich mich ordentlich angreifen muß, wenn ich mich ihrer von neuem anzunehmen haben, und selbst die leichte Arbeit , diese Blätter niederzuschreiben, mir Mühe macht. -

Ich danke dem Zufalle, der diesen Versuch, zu dem ich anfangs eigentlich einen vollen halben Tag ausgesetzt hatte, und wozu der eben erzählte bloß als Winke gebende Einleitung dienen sollte, noch früh genug endigte, damit ich ihn zu einer Zeit, da ich ihn und seine Folgen ganz abwarten kann, mit der Genauigkeit und Rücksicht auf alles wiederhohlen könne, die allein es vollends außer Zweifel setzen muß, ob die erzählten Zufälle wirklich den Einfluß der galvanischen Batterie zur einzigen oder doch hauptsächlichsten Ursache haben, oder nicht.

Für jetzt glaube ich noch, daß nach dem Längerbleiben in der Kette die häufigen Schläge durch den Kopf, die über Beschreibung fatal werden können, da Meiste zu jenen schlimmen Folgen, besonders zu den anhaltenden von ihnen, und zu diesen überhaupt vielleicht noch weit mehr, als jene, beigetragen haben.
----
Ich beendige diese Erzählung meiner Versuche über die Wirkungen des Galvanismus auf menschliche Sinnesorgane mit der Ueberzeugung, daß ihrer Unvollständigkeit jedem der beste Bewegungsgrund seyn mögen, für ihre fernere Erweiterung die thätigste Sorge zu tragen."

*) Die Absätze in diesem Brief sind fortlaufend nummeriert.  28: Nase, 29: Ohr, 30 und 31: Auge
**) 100 Zellen, bei einer Leerlaufspannung von 1 Volt pro Zelle wären es 100 Volt.



/Uchida 1979/

"The true nature of aura, like that of electromagnetic waves, has not been elucidated yet to the present day. However, very rare mediums endowed with peculiar parapyschological ability can see aura with naked eyes and can draw its shape and colors.

About 15 years ago I happened to meet such a peculiar medium who can see aura with naked eyes, then I perceived that the common sense of physics and electromagnetics, which I had believed implicitly until then, contained a grave defect. My entire conception of the universe underwent a revolutionary change.

For example, a dry cell of 1.5 V generates a yellowish aura at its positive pole and a light purple aura at its negative pole. They emanate a halo invisible to naked eye.

When a wire is connected to a pole of the dry cell, its extremity, too, begins to emanate aura. A technician imbued with the common sense of electronics engineering would be dumbfounded to hear such a phenomenon.

I have subsenqently conceived a new hypothesis called "The Electric Field Induction Effect (E.F.I.E.)" which is unknown to the conventional electromagnetic theory, after investigating prudently the method of detecting aura phenomena with the understanding cooperation of over 10 mediums of peculiar parapsychological ability."


Literatur:  b-literatur.htm

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